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Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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90 Woffl William Locker unter einem Kreuz; ein Opfer christlicher Kultur. _ Seine Sehnsucht, in unser heiliges Land zu ziehen, blieb unerfüllt. Die Briefe, die an ihn zurückgekommen sind, enthalten den Vermerk: Gefallen fürs Vaterland...,^ . Max Hey mann Wsiüam Locker Aus dem 33. Feldbr ef des Ruder-V.J. S\ Locker war im Sommersemester 1914 aktiv geworden und hat sich aniangs schwer in die Korporation hineinfinden können. , Im Anfang des Krieges entglitt er uns ein wenig; dann aber fand er wieder den Weg zu uns und war einer unseerer treuesten, liebsten und intelligentesten Bundesbrüder, einer unserer entschlossensten, dem es heiliger Ernst war mit der Uebersiedlung nach Palästina. Er folgte dem großen Zug derer, die freudig ihr junges Leben unserer Sache opfern wollten, und vorzeitig fallen mußten, getreu ihrer Pflicht. — Hans Walter Wolff schreibt uns: . „. . Ich habe hier furchtbar mit Locker gelitten und schlimme Tage durchgemacht, habe ich ihn doch selbst bis zu seinem letzten Atemzuge .gepflegt. Nun bin ich — wenn auch äußerlich stark und gefaßt — seelisch ganz gebrochen und hailtlos und kann mich nur schwer und allmählich in den Verlust hineinfinden, der mich um das Liebste gebracht hat, das ich neben meiner Mutter auf Erden besaß. Wie Brüder lebten wir •beide miteinander, und feste Freundschaftsbande sollten uns unser ganzes Leben hindurch aneinanderketten. Ich stand Locker wohl am nächsten, und eben darum hat mich dieser Schlag schwerer als jeden andren getroffen. Ich kenne keinen, der einen solch lauteren, reinen Charakter sich bewahrt hatte wie Locker, für den, aller Schlechtigkeit der Umwelt zum Trotz, einzig und allein das Gute ujid das Schöne'die Grundlage seines Handelns und seines Strebens boten und der nie im Leben einen Augenblick lang die Pflichten vergessen hatte,.^die er seinem Volk schuldig war. Für ihn waren es seihon fast keine Pflichten mehr, nur Notwendigkeiten und Selbstverständlichkeiten, ohne die das Leben ihm nicht lebenswert erschien, seine Arbeit, seine Zukunft, alles sollte, selbst unter Hintansetzung seines persönlichen Wohles, in den Dienst der Sache unseres Volkes gestellt werden, mit dem er .sich so eng verbunden fühlte* daß er nur in seiner Mitte, in feinem Lande wahrhaft leben zu können glaubte. Ich konnte Locker nur stets von tneuem bewundern und ihm nacheifern, mich bemühen, den gleichen Weg zu gehen, den er gegangen war, sein Leben und Streben war das Ideal, das ich mir für mein Leben stellte. Locker stand mir viel zu hoch, als daß ich hier in Worten Euch ein treues, vollkommenes Bild von ihm geben könnte, alle meine Worte erscheinen mir viel zu dürr und nichtssagend, zu trocken und ausdruckslos, als daß ich liier seine Persönlichkeit so recht zu würdigen 'vermochte, wie sie es verdiente und wie ich es gar zu Igern täte. Darum .erlaßt mir bitte die traurige, wenn auch ehrenvolle Pflicht, hier an dieser Stelle meinem treuen, besten Freunde die letzten Worte zu sagen, ich vermag es nicht. In stummer Bewunderung und dankbarer Erinnerung williich — das habe ich snir geschworen — fortan stets sein Bild 'als einen Wegweiser meines eigenen Lebens im Herzen tragen. Hoffentlich ist es wenigstens mir vergönnt, das zu erleben und daran zu (arbeiten, wa,s mein Freund Locker erstrebt und ersehnt hat. , Hans Walter Wolff"

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