Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 5-6 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Harry Hey mann 89 facfrsten Widerstände, die bärtesten Unbilden konnten ihn schon als Knaben, nicht bindern, das jederzeit zu bekennen. Ruhig und fest ging er seinea Weg, der klar vor seinen Augen lag und dessen letztes Ziel Zion war. Bald wurde er in den Kreisen der (Berliner nationalen Jugend heimisch, und Blau-Weiß und Jung-Juda waren "die ersten Stätten seines zionistischen? Wirkens. Dort soll er, wie mir gesagt ^worden ist, mit dem ganzen Feuer und dem ganzen Eifer seiner Jugend für ^sein Ideal eingetreten sein. Daß er nach dem Verlassen der Schule Hasrrronäer werden würde, war selbstverständlich, nachdem er sich zu der Ueberzeugung durchgerungen hatte, daß es auch in unserem . 'Kampfe auf möglichst geschlossene Reiben ankommt. Sich als K. J. V.-er zu betätigen hatte er, der während seiner ganzen Zugehörigkeit zum Kartell draußen war, keine Gelegenheit, aber er riahm an aiiem, was das Kartell ibetraf, den regsten Anteil und teilte mir oft seine zum Teil recht kritischen Gedanken darüber mit. Er hatte eine ausgesprochene Gabe, schnell das zu sehen, worauf es ankam, und sein ungewöhnlich scharfer Verstand ließ in ihm keinen Autoritätsglauben aufkommen, sondern suchte stets eigene Ziele und eigene Wege. Dabei war er jeder problematischen Betrachtung der Judenfrage abgeneigt; für ihn, der als Zionist aufgewachsen, war das Judesein kein Problem, sondern eine Tatsache, und wenn er sich auch dem Einfluß derer, die im Zionismus ein Kulturproblem sehen, bei seinen jungen Jahren nicht ganz entziehen konnte, so neigte er doch mehr und mehr dazu, in ihm ein überwiegend politisches Ding zu erblicken, dem man mit politischen Mitteln beikommen müsse. Geriet das Gespräch mit ihm auf dieses Gebiet, so erkannte man. bald das tiefe politische Wissen dieses blutjungen Menschen, das ihn zusammen mit seiner gründlichen Kenntnis jüdischer und zionistischer Dinge befähigte, den Gegner nicht nur zu meistern, sondern auch zu überzeugen. Häufig genug ist es ihm, dem Knaben, gelungen, selbst eingefleischte Assimilanten von Jahren, Würden, Ehren dahin zu bringen, daß sie nicht nur über den Zionismus nachdachten, sondern ihn auch anerkannten und sogar förderten. Damit ist aber das Bild meines seligen Bruders nicht vollendet. Er, der durch und durch ein Kämpfer und Schwertfeger war, wo es um unsere Sache ging, lebte und liebte im übrigen ein stilles, beschauliches Dasein, das er mit der Ruhe eines iWeisen erfüllte. Schon seit Jahren der liebevollen Beschäftigung mit den Völkern des alten Orients hingegeben, hatte er sich die altorientalische Wissenschaft auch zum Lebensberufe erwählt; er war dabei von ungeheurem Fleiße beseelt und erweckte bei Fachgelehrten große Hoffnungen. Dennoch hielt er sich von aller Einseitigkeit fern, und im Felde waren ebenso Chamberlain und Goethe wie Harnmurabi und Buddha seine Begleiter. Bei seiner ausgesprochen wissenschaftlichen Veranlagung brachte er es zu einer für seine Jahre staunenswerten Belesenheit, die nicht minder in die Tiefe als in die Weite ging. Denn man bedenke.: nur zwanzig Lebensjahre waren ihm bestimmt. Er hat das Knabenalter kaum hinter sich gelassen. Und doch ist er ein Mensch voller Werte gewesen, der alle seine Ziele genau kannte und ihnen festen Schrittes zustrebte. Aber sein Herz blieb kindlich, seine Seele behielt die Unberührtheit einer Kindesseele. Mit Gaben ausgestattet, die. rasch die Blicke auf ihn lenkten, war ,er immer der anspruchslose, 'bescheidene Junge, der stets darauf bedacht war, denen, die ihn liebten, Freudfe zu bereiten. Wer wie ich das utück hatte, ihm nahe zu stehen, wird mir glauben, daß ich den teuersten Freund, den treuesfen Weggenossen, detfc geliebtesten Bruder verloren habe. Nun ruht er irgendwo in der Ferrtep