Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537730-3537733--4321-3542069
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

£8 T'raustääter, Hugo Hein — Heymann, Harry Heimann Es würde dem \X£illen Jakob 'Goldschmidts wenig entsprechen, wenn idh hier rühmen wollte, was er mir in unserer Freundschaft gewesen ist, die lins vom Tage seines Aktivwerdens, im Frühling 1911, bis zuletzt verbunden hat. Wer Jakob Goldsehmidt kannte, wird seine Treue, die lauter war wie Gold, nicht vergessen, nie die Stärke seines Charakters,, mit der er Kränkungen schwerster Art nicht beachtete, wenn es zum Wohle der Sache erforderlich war, nie seinen felsenfesten Glauben an unsere Sache und seine Bereitschaft für sie ,zu arbeiten. Ein Jude ist mit ihm dahin, wie wir ihn uns .wünschen, wiev er unserer Erziehung als Ideal vorschwebt, ein Mensch, dessen Charakter uns vorbildlich war,, ein Freund, dessen wir lebenslang gedenken werden. Fritz Löwenste In Hugo Hein Hugo Hein war ein einfacher Mensch, weniger kompliziert als so viele Bundesbrüder. Treue und Geradheit waren die Eigenschaften, die sein Wesen völlig bestimmten. Er stammte aus einer frommen, altdeutschjüdischen Familie, und die besondere Art der .Zusammengehörigkeit mit der Familie, wie sie frommen Juden eigentümlich ist, bestimmte die Art seines Zusammengehörigkeitsgefühls mit dem jüdischen Volke, das er liebte, wie er seine Familie liebte, mit Inbrunst und Ergebenheit. Er kam in unser Lager ohne den Umweg über andere Strömungen und Bewegungen, wie andere ihn gehen müssen; er kam auf direktem Wege,- oder besser noch, er blieb einfach mit seinem Denken und Fühlen istn häuslichen Kreis^ indem er zum Zionismus kam. Seine Liebe zum Volke stammt nicht aus einem Heimfinden nach geistiger Irrfahrt; sie ist auch nicht entstanden als nationales Erlebnis im politischen Sinne. Seine Liebe zum jüdischen Volke ist erweiterte Familienliebe. Daher ihre Reinheit und Ünaufdringlichkeit und ihre Tiefe. Möchte doch unsere Liebe zum Volke immer diesen ursprünglichen, wahrhaft echten Zug tragen; er allein erhält das nationale Denken heilig, das man sonst mit Schauder meiden möchte, nachdem man gesehen hat, "bis zu welchem Irrsinn es üühren kann. * ' , Mit X^ehmut und Liebe werden deine Freunde deiner stets% denken.. Hugo Hein! , Fraustätlter üai*r^ Hemmas* &i . Der, dem ich hier die Totenklage schreibe, war mein Bruder. Und mir als Bruder, nicht als Bundesbruder sieht er vor meinen Augen. Gleich von der Schulbank in das Entsetzen hinein'gerissen, konnte er riicht zeigen, wras er unserm Bunde zu sein vermochte. Die Hoffnungen, die ich und andere mit mir in ihn setzten, halben sich nicht erfüllt. Daß sie berechtigt waren, bewies die ganze Persönlichkeit meines seligen Bruders. Acht Jahre jünger als ich, wurde er durch .mich schon in frühester Jugemj mit nationalem Bewußstein erfüllt, und so war er Zionist, seitdem' er denken konnte» Durch und durch war er Jude und nur Jude, und die rnannig;--

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.