Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 5-6 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Löwenstein, Jakob Goldschmidt 87 Es läßt sich hier nicht alles schildern, was wir Freunde an ihm so liebten, was uns Zionisten an ihm so vorbildlich deuchte. In ihm starb dem Kartell ein vorbildlicher Bundesbruder. Seine Eltern, aus deren Haus er die Treue zum religiösen Judentum empfing, "beweinen das einzige Kind. Wir, seine Freunde, wissen, daß es in seinem' Sinne gedacht ist, wenn wir trotz des Schmerzes den Glauben;nicht verlieren, daß dieses teuerste Blut Hießen mußte, damit auch unserm .jüdischen Volke Freiheit und Leben im eignen Lande erwachse, -j Vergessen wird Bernhard Fraenkel keiner, der ihm einmal nahe stand, wie ei seines Volkes und seiner .Bundesbrüder bis in den Tod nicht ivergaß. Walter Preuß Jakob Goldschmidf Goldschmidt war eines der zahlreichen Kinder einer jüdischen Kaufmannsfamilie sefardischer Abstammung in Hamburg. Es war ein im besten Sinne jüdisches Haus, in dem die alten Formen des traditionellen Judentums, die mit selbstverständlicher Treue gepflegt wurden, mit Notwendigkeit zum nationalen Judentum und zum Zionismus führten. So ist Jakob Goldschmidt nie Zionist geworden; er war es> solange er denken konnte, 'und er war es im ganz bewußten parteimäßigen Sinne des Wortes. Die führenden Persönlichkeiten des Zionismus waren für Ihn ein Stüde seines überlieferten Judentums; nicht nur HerzI, auch Nordau, Marmorek, Wolffsohn waren für ihn nieht Namen der Parteigeschichte, sondern jüdische Persönlichkeiten, zu denen er sich in engster Beziehung fühlte. In einer unserer heutigen' jungen Generation unverständlichen Weise lebte er auch zu einer Zeit mit der zionistischen Organisation, ai> alle „großen" Ereignisse fehlten. Daß er Wert darauf legte, politischer Zionist genannt zu werden, daß er den Gegensatz zur neuen Leitung gern betonte, ergab sich einerseits aus der Verehrung für die Führer des Herzischen Zionismus, dann aber auch aus seinem Sehnen, eine umfassende Lösung -der ganzen Judenfrage zu finden, für die der politische Weg ihm unentbehrlich schien. Das hinderte ihn nicht, die Forderung der persönlichen Uebersiedlung rückhaltlos zu bejahen und für seine Person mit der Vorbereitung auf Palästina Ernst zu machen. Er plante (worüber er freilich nur zu vertrautesten Freunden zu sprechen pflegte), im deutschen Konsulardienst den Weg in den Orient zu finden und bereitete sich darauf vor, indem er mit großer Energie arabisch und türkisch trieb. Hebräisch konnte er von Hause in ziemlich weitgehendem Maße. Goldschmidt hat in der Hasmonaea nicht ganz die Rolle gespielt, die seinen Kenntnissen, seiner Klugheit und der Treue und Unbedingthielt entsprach, mit der er den Bundesbrüdern und dem Kartell ergeben war. Er war zu objektiv, hatte zu viel Verantwortungsgefühl, um sich mit der jugendlichen Unbedingtheit auf eine Seite zu schlagen, wie es in den Zeiten der Tendenzkämpfe erwartet wurde. Aber seine scheinbare Nüchternheit und Schwunglosigkeit verließen ihn dann, wenn er Probleme vor sich sah, die die Intensität unserer zionistischen Entwicklung berührten. Dann sprach er, nicht hinreißend, aber klug und überzeugend, und bei äller Kühle seiner Ausführungen spürte man den Hauch fester Ueberzeugung.