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Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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86 Rothscßifcf, Richard Ehrlich —- Preuß, Bernhard Fraenkel Und nun, Freunde unseres Bruno Berliner, wir wollen diesen Genossen unserer herrlichen akademischen Jugendjahre und treuen Mitkämpfer für unsere Ideen, wie auch die anderen unserer stillen Helden, die für ein fremdes Prinzip vor der Erfüllung sterben mußten, -nicht betrauern, sie auch nicht durch unpersönliche Spenden ehren. Für diese gibt es andere Gelegenheiten genug. Wir wollen, wenn es uns vergönnt sein ,sollte, in jenes heiß ersehnte Sonnenland zu kommen, ihm wie audh den andern unserer Lieben in einer ruhigen Gegend, im Jordantale oder auf den (Bergen des Landes, stille Bäume des Gedenkens eigenhändig pflanzen und vor allem' durch starke persönliche Arbeit für unser Volk ihre Treue gegen die Idee vergelten. Carl Lippmann Richard Ehrlich Wie ein Schlag traf mich heute <u'e 'Mitteilung vom Tode meines Leibfuxen Richard Ehrlich. Schrieb er mk doch erst vor kurzer Zeit noch von seiner Tätigkeit in einem Feldlazarett, ziemlich weit hinter der Front. Und nun ist er nicht mehr, der gute Junge mit seiner überdä.mmernden Lebenslust, nachdem er drei Jahre lang als Sanitäter bei der Infanterie mitgekämpft hatte; nun hat er auch noch kurz t vor Kriegsende das traurige Los so vieler Bundesbrüder teilen müssen!; Zu den schönsten Hoffnungen hätte er noch berechtigt, er, der stets eine tiefe Begeisterung für unser Ideal in sich trug. Wir haben jeinen guten Bundesbruder, ich meinen treuen Freund verloren. Otto Rothschild. Bernhard Fraenkel Daß Bernhard Frankel tot ist, ist unter allem Unbegreiflichen dieses Krieges das mit am schwersten zu Fassende. , Er, an dem nichts Ungesunde^war, er, eine Vollnatur von uniter (Uns seltner Stärke, Jen jeder liebte um seiner Gradheit, seines auch in vier Kriegsjahren nicht versiegten Humors willen, er starb den Tod, der ihmnicht die Vollendung seines Seins war. Die nur die Eigenschaften an ihm kannten, von denen ich eben sprach, drangen nicht in sein Innerstes, das fast allen verhüllt blieb. Ob er eigentlich eine Natur war, »die Probleme in sich trug, die ium den Sinn ihres Menschseins rang, weiß' kaum' einer; dafür spricht, daß er bei seiner allseitigen Beliebtheit doch einsam blieb. Mit unbeirrter, selbstverständlicher Sicherheit war er aber Jude und Zionist; er, der Schamhafte hatte nur eine- Liebe, das Kartell, an dem er mit einer Hingabe ohne gleichen hing. Viele wissen es, wie rührend er für jeden Bundesbruder sorgte. Es machte auf mich als jungen Fuxen einen tiefen Eindruck, wie er fast das ganze Kartell mit Stammbaum kannte, wie er sich jedes Einzelnen annahm; Vor allem aber: er gab für den Zionismus sein ganzes Sein; ohne Wanken war ihm vom ersten Semester nur ein Gedanke, nur ein Leben vertraut: das des hingebenden, bereits wieder vollkommenen Juden.

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