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Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Lippmann, Bruno Berliner 85 müssen, dich vermissen werden — dich und deine ernste Freundschaft, deine heitere Liebe, deinen klugen Rat, deine immer bereite helfende Tat, Uns bleibt nichts als die bittere .Klage um Verlorenes, die nur gemildert werden kann durch die heilende Kraft deines gesegneten Andenkens Und durch die Bewahrung herzinniger Dankbarkeit für alles, was wir dir schuldig sind. Deinen Lieben aber, die in dieser letzten Stunde, da du über der Erde weilst, nicht bei dir sein können, rufe ich das uralte Tröster-' v/ort unseres Volkes zu: , Hamokaum jenachem esschem bessauch scheor awele zion wijruscho- Joiiro: „Gott tröste euch, wie er einst trösten wird alle, die um Zion und Jerusalem trauern". Bruno Kirschner Bruno Berliner Aiich unser lieber, stiller, blasser Bruno Berliner ist dem Kriege1 erlegen. Ein kleiner Kreis nur von Münchener Jordanen und Bertiner Hasmonaeern getrauert den Verblichenen, denn erst in spätem Semester ist er nach langen Kämpfen zu uns gekommen. Bruno Berliner War mir sechzehn lange Jahre hindurch ein Weggenosse im Alltag^und in allen den kleinen Nöten der Vorkriegszeit, und ich glaube ihn gekannt zu haben. Bei denjenigen, die Bruno Berliner nähergestanden, löst die Tatsache seines Hinscheidens ein unendlich wehes Gefühl aus. Denn dieser schlichte Mensch besaß neben mancher Schwäche eine herrliche, ihn über Viele heraushebende Eigenschaft: eine starke Treue, Treue gegen Menschen und Treue vor allem gegen Ideen. Er war eine jener merkwürdigen und in unsern iReihen doch nicht so seltenen Erscheinungen, die der Fremde nur für still und sanft und durchschnittlich geraten einschätzt, und die doch glühende Feuerköpfe und besonders geartete Menschen sind. In seinem Fach durch eiserne Energie, Intelligenz und außergewöhnlichen Wissenstrieb einer der Tüchtigsten, betätigte der Verblichene diese Eigenschaften im Studium des Lebens mit eigner Konsequenz. Er suchte Menschheitsideen mit der ganzen Inbrunst, deren er fähig war, und hatte er eine Lösung für das Problem, das ihn fesselte, gefunden, so verfolgte und lebte er den Gedanken mit einer Zielstrebigkeit, die durch ihre Unbekümmertheit um die möglichen Folgen, ihre Blindheit für das Rechts und Links der Verhältnisse und das Rückwärts der Grundlagen, durch ihre fast philisterhafte Genauigkeit für den Zuschauenden etwa.s Erschütterndes hatte. So stand er vor allem zu unserer zionistischen Idee. Dieser Willensstärke, fast fanatische Glaube an festgesetzte Ziele, der beinahe schon wieder zur Schwäche wurde, zeitigte bei ihm gleichzeitig die liebenswürdigsten menschlichen Züge. Rührend ist mir die Erinnerung an einen gemeinsam verlebten Urlaubsabend, an dem er mir erzählte, er spare seit Anfang des Krieges von seiner Soldatenlöhnung, betragend 6,30 Mark für die Dekade, um nach dem Kriege eine Palästinareise zu machen. \ Das war bei diesem schlichten, einfachen Menschen keine Phrase, es war nur bezeichnend für seine stille, .zähe und dabei so heiße Art.

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