Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 5-6 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Kirschner, Jacob Be n ensö n •wir an Stelle seiner Blutsfamilie hier, wir, die große Familie' seiner; Freunde, un>l erfüllen an ihm die letzte Liebespflieht. . . < Die Familie seiner Freunde — anders, besser kann wohl das innige Verhältnis, in dem Jascha zu uns, zu seinen Bundesbrüdern im K. J V. stand, gar nicht bezeichnet Verden denn als familiär. Nicht nur seine ganze Kraft gehörte unserer Idee, sondern auch seine ganze reiche Liebe. Die Bereitschaft, mit der er sich unseren Arbeiten zur Verfügung stellte, war so unbegrenzt wie seine Hingabe an unsere Zukunftshoffnung, wie seine edle Begeisterung Hir das Land unserer Sehnsucht, das er mit eignen Äugen hat sehen, das er in ,der Gesellschaft seiner Freunde hat durchwandern dürfen. Namentlich aber unser Ruderverein, dessen besondere Bedeutung für dsn Erziehungsgedanken unseres Kartells Benenson frühzeitig erkannt hatte, war seinem Herzen nahe und hat ihm unendlich viel zu danken an abgeklärtem Rat und stets williger Tat. Hier hatten wir auch Gelegenheit, die erstaunliche Kraft seines Willens kennen und bewundern zu lernen. In einem Alter, da es schon einer besonderen Energie bedarf, sich den körperlichen Anstrengungen ernster Sportausbildung zu unterziehen, zwang sich Jascha mit der zusammengerafften Kraft seines Wesens zur Erfüllung der Pflichten, durch die die Freuden dieser Betätigung zu erreichen sind. Mehr aber noch war er dem engeren Kreise seiner Bundesbrüder durch die geselligen Abende, die er, in einer aus altjüdischen Tradition und russischer Herzlichkeit erwachsenen Gastfreundschaft, seinen Freunden geboten hat. jahrelang hat er allwöchentlich am Freitag Abend, in der durch die religiöse Erinnerung geweihten Feiertagsstunde unseres Volkes, die Bundesbrüder, ^die den Weg zu ihm suchten, in seinem Heim um sich versammelt; und es waren Stunden reinen geistigen Genusses, einer nie in den Niederungen flacher Unterhaltung versinkenden Geselligkeit, die uns sein kluges Urteil, seine allseitigen Interessen und nicht zuletzt seine reiche Belesenheit geschenkt haben. Und wer^wie wir dort in seinem Hause auch an den Sorgen und Freuden ,seines Familienlebens teilnehmen durfte, der hat die aus der Korporation .vertraute wunderbare Aufopferungsfähigkeit seines vornehmen Charakters in neuen Farben leuchten sehen. Der Wissende \veiß, welch unendliches Glücksgefühl es ihm bedeutete, den künstlerischen Erfolgen der geliebten Frau umsichtig und mit zieK bewußter Hand den Boden ebnen zu helfen. , Wieviel Hoflhungspläne auch für die Erziehung seines Kindes, dessen jüdische Entwicklung er mit sorgsamster Treue hütete und leitete, sinken mit ihm ins Grab. Und wie von Weib und Kind, wie ,aus dem Bund derer gerissen, die sich mit ihm durch die gemeinsame heilige ,Aufgabe vereint fühlten, so hat er nun auch seinen Beruf zurückgelassen, dem er mit so froher Energie, so hoffnungsvoll anhing und nachging. Wie hatten wir alle uns gefreut, als er, nach langem «Suchen, eine kaufmännische Tätigkeit gefunden zu haben glaubte, die seine reichen, bis dahin schlummernden Fähigkeiten weckte und stählte, die seinen Schaffensdrang zu befriedigen und zu erhöhen versprach. Dahin, dahin! , Als Davids einziger Freund, Jonathan, im Kampf gefallen war, schloß er sein ergreifendes Klagelied um den Geliebten ,mit den Schmerzens- %vorten: zar Ii olecho, ochi jehaunosson, noamto ,li meaud: „Mir ist so weh um dich, mein Freund, wie ,warst du m!ir so lieb!" Ja, weh ist Uns um dich, du geliebter Freund! Wir .wissen, daß du dem Jammer der Tage, der uns noch bevorsteht, entrückt bist, w:ir fühlen dich geborgen bei &nser aller Mutter Aber uns, die wir zurückbleiben und dich entbehren