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Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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76 D/eseC Unbedingte Satisfaktion nicht länger als satistaktionsfähig betrachten werden. Sollen .wir nun so lange warten, bis die anderen uns .klarmachen, daß das Mensurenschlagen nichts für Juden, sondern eine rein deutsche Sitte sei? Nein* verzichten wir lieber gleich darauf, von den christlich-deutschen Korporationen, auf Widerruf als ihresgleichen betrachtet zu werden, und .erklären wir ihnen stolz, daß wir mit derartigen Albernheiten nicht länger zu tun haben woken, weil wir Juden sind. Vollkommen undiskutabel;erscheint mir der [Vorschlag Rosenbaums, die Entwicklung im Oifizierkorps Und der in dieser Beziehung^ von ihm abhängigen Studentenschaft nach dem Kriege abzuwarten, um dann der Majorität getreulich Folgschaft zu leisten. Dieser Standpunkt scheint mir erheblich größere moralische Gefahren einzuschließen, als die freiwillige, sofortige Aufgabe der unber dingten Satisfaktion. Die Achtung oder Mißachtung von Seiten der inkorporierten christlichen Studentenschaft darf für uns keine Rolle spielen gegenüber der Rücksicht auf unsere jüdische Erziehung zur Kerntruppe des Zionismus. Unter den jüdischen Abiturienten dürfte eine Absage des K. J. V. an die unbedingte Satisfaktion sicherlich keine nachteilige Wirkung auf ihre Keilfähigkeit ausüben, ganz abgesehen davon, daß der» artige Rücksichten für uns nicht ausschlaggebend sein dürften. Wenn ein großer Teil der hier gegen die unbedingte Satisfaktion angeführten Momente vielleicht früher schon in den J. St.-Debatten Erwähnung fand, so glaubte ich selbst auf die Gefahr einer Wiederholung hin die Ausführungen Rosenbaums und Landauers nicht unwidersprochen lassen zu dürfen, zumal die Opposition gegen die unbedingte Satisfaktion, wie ich bei Zusammenkünften mit Bundesbrüdern und aus manchen J.St- Artikeln, besonders denen von Erich Cohn und Carl Goldenberg feststehen konnte, erfreulicherweise im Wachsen begriffen zu sein scheint* so daß ich im Sinne vieler Bundesbrüder gesprochen zu haben glaube. Zum Begriff der Assimilation gehört m. E. nicht nur, wie Georg Landauer meint, „das Aufgeben jüdischer Werte und Güter", sondern es gibt auch eine Assimilation, die in der bloßen Aufnahme artfremder Anschauungen oder Sitten beruht, ohne daß diese mit der unmittelbaren Aufgabe jüdischer Werte einhergeht. Wohl haben wir der unbedingten Satisfaktion keine jüdischen Werte geopfert, aber trotzdem bedeutet sie etwas Unjüdisches und ihre Annahme einen Akt der Assimilation, wie die Beurteilung dieser Frage in nichtstudentischen Kreisen der Judenheit beweist. Ich muß daher auch die Psychologie des Satisfaktionssuchenden, die Landauer entwirft, als vollkommen in studentischen, nicht allgemein menschlichen Anschauungen wurzelnd ablehnen. Wohl kann ich es verstehen und in besonders schweren Fällen billigen, wenn man sich sofort mit der Waffe, z. B. nach Art der Schomrim, vom Beleidiger Genugtuung verschafft, *«ber oie Satisfaktion in studentischen Kreisen ist durch den Komment zu einer wahren Parodie auf eine würdige Genugtuung geworden. Schon der Umstand, daß in nichtstudentischen Akademikerkreisen, sobald sie eine gewisse Distanz vom Korporationsleben gewonnen haben, die Satisfaktion mit der Waffe fast vollkommen verschwindet, beweist, daß es sich weniger um eine Frage des natürlichen Empfindens als u,m eine Erziehungsfrage studentischer Kreise handelt, die zu einer Ueberspannung des Ehrbegriffs geführt hat. '

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