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Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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DreseC Unbedingte Satisfactio» 75 Stellung des einzelnen Bundesbruders zur unbedingten Satisfaktion44 erblick t, nicht anzuerkennen, denn ich glaube nicht, daß die Satisfaktion irgend einen wirklich nachhaltigen erzieherischen {Einfluß, auf die Bundesbrüder hat, im Gegenteil, der häufig weit stärker als notwendig betonte Drill des Fuxen auf ein ,,kommehtmäßiges Reagieren*' zeitigt oft eine Ueberempfindlichkeit und eine Unnatürlichkeit des Benehmens in geeigneten Situationen, die geradezu lächerlich wirken. Für diese Behauptung wird gewiß jeder Bundesbruder aus eigener Erfahrung wie ans der Geschichte seiner Korporation genügend Beispiele anzuführen wissen. Aber ganz abgesehen von diesen Absurditäten unserer Kommenterziehung kann man schlechterdings einer Gemeinschaft von jungen Juden, die irn besten Sinne des Wortes zu jüdischen Edelmenschen erzogen werden sollen, nicht zumuten, daß alle auf Beleidigungen in derselben, vom Komment genau vorgeschriebenen Form reagieren sollen. Ein solches Vorgehen muß unbedingt zu einer Verkümmerung des gesunden Empfindens derer führen, die auf Grund ihrer Veranlagung eine andere Antwort auf Beleidigungen geben würden als mit der Waffe. Alle gegen ein sogenanntes ,,unkornmentmäßiges" Benehmen in diesen Fällen angeführten, leider äuch von Rosenbaum verteidigten Argumente stammen aus dem Schlagvvortrepertoire der christlichen Korporationen; ein Vergleich mit dem irichtstudentischen Leben beweist schon ihre Haltlosigkeit. Wenn wir wirklich Wert auf ein würdiges Auftreten unserer Bundesbrüder in Ehrenhändeln legen, so sollen wir ihnen nur freie Hand lassen; ich glaube nicht, daß dieses Vertrauen in das Taktgefühl des Einzelnen zu einer Verweichlichung des Empfindens oder zur Duldung von Besch Impfungen der jüdischen Ehre führen würde. Wenn der eine am besten Beleidigungen mit der Waffe abwehren zu können glaubt, soll ihm dies unbenommen bleiben, aber man soll auch demjenigen, der sich eine Genugtuung auf der Stelle oder aber durch Schiedsgerichtsspruch verschafft, keine Vorschriften über sein Benehmen machen. Ich will üamit keineswegs einem zu weit gehenden Individualismus das Wort reden; in jüdischen Dingen muß sich der Einzelne unbedingt dem Ganzen unterordnen, aber in so persönlichen Dingen wie dem Ehrempfinden soll man jedem freie Hand lassen. Zudem gibt es sehr viele Bundesbrüder — und das sind keineswegs Schwächlinge — denen die Mensur vom rein ethischen Standpunkt aus zuwider ist. Diese Bundesbrüder zur Mensur zwingen, bedeutet eine Vergewaltigung ihres sittlichen Empfindens, die bei vielen, vielleicht nach schweren inneren Kämpfen, ,zu einer Verbiegung ihres natürlichen Empfindens führt. Daß die Satisfaktion endlich geeignet sei, den Mut des Einzelnen zu stärken, glaube ich ebensowenig, wie daß die kriegerischen Erlebnisse als .solche bei den meisten von uns einen nachhaltigen Eindruck hinsichtlich der Stärkung des Mutes hinterlassen werden. Vielmehr bin ich der Ansicht, daß der „Mut" bei der Mensur ebenso wie die „Tapferkeit vor dem Feinde" bei den meisten nichts als der Ausdruck von DisziplHn ist; diese bei unseren jungen auszubilden, haben wir aber im Turnen, .Rudern und Wandern sowie in der sonstigen Korporationserziehung genügend Mittel zur Hand. — Und nun noch ein Wort zur studentischen iSeite der Frage. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sieh nach .dem Kriege im- Offizierkorps wie in der Studentenschaft ein Antisemitismus breit .machen, wie man ihn in Deutschland noch nicht erlebt hat, ja man »muß darauf gefaßt sein, daßdie deutsch-christlichen Korporationen durdi Annahme einer den Weidhofener Beschlüssen analogen Resolution die jüdische Studentenschaft überhaupt

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