Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 5-6 (November 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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74 DreseC Unbedingte Satisfaction irgend welche Rücksichten auf die „Stellung des K. J. V. in Deutschland" dürfte es bei der Zwecklosigkeit derartiger Zugeständnisse und vor allem in Anbetracht der dringenden Notwendigkeit der Konzentrierung aller Kräfte auf unsere jüdische Sache nicht mehr geben.") Endlich gebietet uns die durch den Krieg völlig veränderte politische Situation, insbesondere die Rolle, die der Zionismus jetzt in der Weitpolitik spielt, un&;n intensiverem Tempo als bisher auf Palästina vorzubereiten. All diese Momente verlangen aber von uns K. J. V.ern einen Abbau derjenigen Formen des Korporationslebens, die unjüdisch waren und geblieben sind, oder die nicht für die rein menschliche Erziehung der Bundesbrüder eine Rolle spielen, sowie eine Intensivierung unserer jüdischen Ausbildung. Vor allem gilt es dabei, diejenigen Formen zu beseitigen, die uns bei aem Bestreben einer engen Zusammenarbeit mit den Zionisten anderer Länder, vor allem bei dem Versuch einer Annäherung an das Ostiudentum, das für uns zweifellos eine reiche Quelle jüdischen Lebens werden wird, hinderlich sein könnten. Ich will damit nicht sagen, daß wir unser Lebe-n im K. J. V. etwa ganz auf das der Ostjuden einstellen sollen, aber gewisse rein gojische Formen, darunter vor allem die unbedingte Satisfaktion, werden wir zweifellos fallen lassen müssen, wollen wir uns nicht lächerlich machen. — Wir haben auf dem Königsberger K. T. die unbedingte Satisfaktion lediglich aus Zweckmäßigkeitsgründen in den B. J. C. eingeführt, um uns unsere Stellung unter der nichtjüdischerh Studentenschaft zu erleichtern. Man kann nur dann zu einer klaren Beurteilung der Frage gelangen, wenn man sich darüber Rechenschaft ablegt, welchen Wert die unbedingte Satisfaktion für unsere jüdische, rein menschliche und studentische Erziehung hat. Nun, für unsere jüdische Ausbildung im Kartell kann die starke Inanspruchnahme der Bundesbrüder, besonders in manchen Provinzial- Verbindungen, durch den Fechtbetrieb, die Ehrengerichte, die diesbezüglichen Konvente und die Mensuren selbst nur hinderlich sein, zumal die größeren Aufwendungen an Zeit für den Fuxenunterrieht, die hebräischen und Geschichtskurse, die Wanderungen, den Turnbetrieb und endlich die geselligen Veranstaltungen der Korporation ohnehin die Möglichkeit einer selbständigen Beschäftigung mit jüdischer Literatur, mit Hebräischlernen usw. stark einengen. Dazu kommt, daß wir, die wir über alles Unjüdische beim K. C,, über den Opportunismus der Assimilanten so gut zu spotten wissen, durch das Festlegen des Kartells auf die unbedingte Satisfaktion etwas so Un jüdisches, mit unserer Erziehung zum Volljuden so Disharmonierendes bei uns eingeführt — nicht bloß geduldet — haben, daß jedem außenstehenden Unbefangenen dieser innere Widersprach auflallen und zu denken geben, muß. Ich stimme ganz Franz Meyer" zu, daß; es iiur unsere Jungen geradezu« eine jüdische Tat sein müßte, wenn sie sich . auch von diesem Rest Ghettojudentum losmachen und frei jedem erklären könnten, daß sie als selbstbewußte Juden derartig deutsche Sitten nicht mitmachen konnten. Die Ablehnung der unbedingten Satisfaktion, nicht ihre Beibehaltung wäre von höchstem jüdisch - erzieherischen Wert für unsere Bundesbrüder. < . Was die menschliche Seite der Frage anbelangt, so vermag ich die „moralischen Gefahren", die Rosenbaum in der „Dehnbarkeit der *) Wir dürfen annehmen, daß. mit dem alten Deutschland auch die nur zu ihm passende „unbedingte Satisfaction" untergegangen ist. ec. E