Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1918-11-01 · Heft 5-6 (November 1918) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 5-6 (November 1918)
Date
1918-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537730-3537733--4306-3542054
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DreseC Unbedingte Satisfaction 73 Beruflich. Ich will nicht über die Landwirtschaft sprechen, nicht über ihre Bedeutung für Palästina. Das ist Sache von Fachleuten. Niemand aber, der nicht Landwirt ist, darf nach Palästina gehen, ohne eine Ahnung von Landwirtschaft zu haben. Die Gründe dafür brauche ich nicht klarzulegen. Jeder K. J. V. er mußalso wenigstens ein halbes Jahr landwirtschaftlich gearbeitet haben. Zu diesem Zweck müssen wir eine -Lehrfarm in Deutschland schaffen. Die finanziellen Schwierigkeiten können nicht so groß sein, daß. nicht .tausend Menschen, die zum großen Teil materiell gut gestellt sind^ sie^ bei Aufbietung ihrer Kräfte überwinden könnten. In den'Dingen des t ä g 1 i c h e' n Lebens. Wir wollen ein Ende machen mit dem im K. J. V. stark {verbreiteten Herumsitzen in Kaffeehausern, mit unseren kostspieligen Veranstaltungen überhaupt. Wir wollen nicht so luxuriös weiterleben, wie es bisher üblich war. Wir pfeifen auf „Comment" und auf die Beherrsdhiung des gesellschaftlichen Rüstzeugs und des „standesgemäßen4' Auftretens. Wir wollen lauch nicht einen hohen monatlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Korporationsbetriebes zahlen, sondern wallen, indem, wir einfacher leben, das Geld für wertvollere Zwecke verwenden. Die Zeit drängt. Wir können jeden Tag vor der Tatsache der Uebersiedlung stehen. Es gibt nur eine Aufgabe für uns: bereit zu sein. D>as Programm des neuen K. J. V. darf kein Programm der Zurückbleibenden sein. Ich fasse meine Forderungen in die eine zusammen: Umgestaltung des K. J. V. in die Freie Zionistische Studentenscha f t. Unbedingte Satisfaction Von Erich Dresel (V. J. St. Maccabaea, Königsberg), z. Z. Badenweiler Unter den Fragen, die im K. J. V. nach dem Kriege in eister Linie eine Klärung und Lösung verlangen, steht die Frage einer Umgestaltung unsererx Korporationsformen obenan, nicht etwa, um aurch ein Kampromiß die Blau-Weiß-Frage aus der Welt zu schaffen, sondern lediglich unter dem Gesichtspunkte einer Verinnerlichung unseres jüdischen Lebens. Daß durch eine solche nur jüdisch .orientierte Reform m.;E. auch die Blau-Weiß>-Frage ihre Lösung finden wird, sei nur (nebenbei erwähnt. Unter den vielen Einzelfragen, die dabei .eine Rolle spielen, nimmt die Erörterung der unbedingten Satisfaktion einen nicht geringen Raum ein. — Es ist gewiß kein .bloßer Zufall, daß' diese Dinge gerade während des Krieges so in den Vordergrund gerückt sind, sondern der Grund für diese Erscheinung ist einmal darin ,zu erbiieken, daß uns deutschen Zionisten der Krieg durch die engere ,Berührung mit dem Ostjudentum .unsere jüdische Unzulänglichkeit und damit "die Notwendigkeit einer Vertiefung tunseres Judentums bewiesen hat. Hinzu (kommt, -daß der Krieg uns in unseren jüdischen Instinkten zweifellos radikalisiert hat, daß er uns besser als eine .jahrzehntelange Friedensarbeit für den Zionismus gezeigt hat, wo unser Platz ist, es ist uns, wie Rosenbauim in seinem Artikel zur unbedingten Satisfaktion sagt, „um unsere jüdischen Dinge heute viel mehr ernst, als vor den Erlebnissen dieser Kriegsjahre/' Allerdings gelange ich aus dieser Erkenntnis gerade \zur entgegengesetzten Folgerung wie Rosenbaum, denn m1. E. «sollte uns durch diese Erlebnisse der Sinn für Nebensächlichkeiten vollends abhanden gekommen sein,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.