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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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60 Tromm, Molf Lissauer Heute am 17. Juni wurde ihm! auf dem Kriegerfriedhof von Thilloy (südlich Roye) die letzte Ruhe bereitet. Lyon, Powitzer und ich standen leidtragend an seinem Sarge und gruben sein Bild in unsere Erinnerung. Ehret sein Andenken! Saily Hurwitz Adolf Lissaüfer Wenn man mir noch vor zwei Monaten, als' wir fröhlich zusammen im Hamburger Kurpark saßen, gesagt hätte, daß, ich #uf dich, geliebter Freund, so bald einen Nachruf schreiben müßte, ich 'hätte eher an das Unmöglichste glauben können; und nun ist es zur Wahrheit geworden, in unfaßbarem Schmerze stehen alle, die dich gekannt, dem unbegreiflichen Geschicke gegenüber. Noch glaube ich dein freundliches, iiebes Lachen zu hören, noch unser eifriges Diskutieren über Judentum, Zionismus und Kartell In kurzen Strichen will ich Adolf Lissauers Grundansichten über Judentum und Zionismus hier niederlegen. Der Grundzug seines Wesens war seine Religiosität sein tiefer, unerschütterlicher Glaube. Damit verband er tiefstes Verständnis für das Wesen der jüdischen Religion, mit -all ihren Gesetzen und Vorschriften. Er wußte, daß sie alle dazu bestimmt sind, unser Leben zu versittlichen, es mit dem Rhythmus des Gottesgedanikens, des Wahren und Edlen zu erfüllen; und so hielt er alle Vorschriften aufs genaueste, war er einer der Gesetzestreuen, denen das Gesetz~nicht Jeere Form, sondern von heißer Inbrunst erfülltes Mittel zum Höherstreben und zur Vollendung ist. Noch in seinem letzten Briefe schrieb er mir: „Die Einheit, die mir vorschwebt, brauche ich nicht zu suchen, Jiur zu verstehen und begreifen. Es ist die göttliche Einheitsidee. Alles sei gerichtet auf diese Idee, jede Tat ihr untergeordnet, jedes Handeln zu ihrer Erfüllung, jeder Gedanke von ihrem Geist. Gott ist eins und der Mensch, der sich ihm nähert, muß: von dem Glänze dieser einzigen, einen Einheit erfüllt werden. Eins ist Gott, eins ist die Thora und eins kann der Mensch werden. Hat der Mensch den Geist Gottes aufgenommen, der in der Thora glänzt, so wird er seine Aufgabe erfüllt haben und dem Gotte, in dessen Ebenbilde er geschaffen, im Wesen, im Sein auch ähnlich werden. Dann schließt sich der Kreis der dreifachen Einheit zu der höchsten, ursprünglichen Gotteseinheit auf Erden. Gott, Thora, Mensch! . . . Sein gesetzestreues Judentum1 ging ihm über alles, und nur Mittel zu diesem Zweck war ihm der Zionismus. Er sollte nach seiner Ansicht, rein praktisch-politisch, nur die äußeren Grundlagen für das1 Fortbestehen des jüdischen Volkes, dessen Aufgabe es ist ein heiliges ,ein Gottesvolk zu sein, schaffen, ohne sich selbst in die kulturelle Entwicklung einzumischen. Für das Kartell war er immer gegen eine Uebertreibung des Korporativen und vor allem auch ein Gegner der^Satisfaktion. Vieles hätte er uns noch geben können, doch Gott hat es anders bestimmt. Nur die Erinnerung ist uns geblieben und sie ist -herrlich und unvergeßlich. Wißt ihr noch, wie er so fröhlich lachen konnte, wie er immer so hilfsbereit und freundlich einem jeden Menschen gegenübertrat mit fast übertriebener Bescheidenheit und Rücksichtnahme? D'as Judentum und der Zionismus fiaben einen ihrer Treuesten, das Kartell eines> seiner liebsten Mitglieder, ich habe meinen besten, über alles geliebten Freund verloren. Sein Andenken sei zum Segen! Erich Fromm.

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