Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Wetner, Anton Goldscheider — Hürwitz, Hermann Kramer 59' wesentlicher ist, es besteht die; Gefahr der Zerstörung der Grabstätte. Das. Kreuz (der Armeerabbiner Dr. 'Lewin will, wie er mir sagte, für ein anderes» Grabzeichen sorgen), hat bereits einen kleinen Splitter erhalten und Nebengräber sind teilweise völlig zerstört." Anton Goldscheider y ■ .... .. ... Am 3. Juli starb im Lazarett in Memmingen nach kurzer Krankheit Anton Goldscheider aus München. Außer den Münchener Bundesbrüdera werden ihn wenige gekannt haben. Die Allerwenigsten vielleicht konnten ihn seinem ganzen Werte nach schätzen. Er war ein Mensch mit keuscher Seele und von herbem, spröden Wesen. Keiner von denen, die auffallen, keiner von denen, die sich leicht erschließen. Einer von denen,, die dann ruhig sind, wenn sie am tiefsten fühlen und das zu innerst verschließen, was ihrem Herzen am nächsten liegt. Er taute nur in seinen geliebten Bergen auf oder im engen Kreis von Bundesbrüdern, die ihn. suchten. Denen eröffnete er sein wahrhaftes, unablässiges Ringen und. Arbeiten an sich, seine starke Liebe zu seinem Judentum und seinen festen Glauben daran. Er war Zionist so notwendig wie er Mensch und Bundesbruder, so selbstverständlich wie er Freund war. Er war ein braver Sohn, ein gefälliger Kolfege, ein treuer Kamerad, ein zuverlässiger, opferbereiter Freund, ein schlichter, grader bescheidener Mensch/ Für die V. J. St. Madimah, der er 28 Semester in Treue angehörte, war er ein Stück Geschichte. Mit ihm starben viele Hoffnungen und viele Blüten. Die ihm kannten, werden ihn schwer vermissen. Siegfried Wein er. Hermann Bramel9 Ein Brief Liebe Bundesbrüder, ich gebe Euch heute von einem ueuen, schmerzlichen Verlust Kenntnis, der das Kartell betroffen hat. Bbr. Kramer, Leutnant in einem Infanterie-Regiment, ist am 9. Juni beim Angriff auf 'Courcelles an der Spitze seines Zuges gefallen. Als ich Anfang des Jahres^ zu iseiner Division trat, wurde er mir bekannt. Nach dreiundeinhalbjäbriger unentwegter Pflichterfüllung im Graben war er gerade zum Offizier befördert worden. Wir haben uns so oft es möglich war getroffen, zuletzt am Tage vor dem Sturm. Reichte unsere Begegnung auch nicht aus, ihn in weiteren Grenzen kennen zu lernen, so offenbarten die wenigen Stunden dochhinreichend eine Persönlichkeit, deren tragisches Geschick mich auf das schmerzlichste bewegt. Seine sichere Ruhe, seine bescheidene Zurückhaltung machten ihn mir besonders wert; man rühmte sein natürliches Pflichtbewußtsein, seine eiserne Selbstzucht. Schwer trug auch er an seinem Judenschicksal, und ich glaube, daß er in Stunden drückendster Not, seelisch abgekämpft wie 'so mancher hier draußen, der endenden Kugel ruhig entgegensah. Denn ihn beugte nicht nur das eigene Leid, sondern gleicherweise die Not seiner Brüder. Noch am letzten Tage nahm er sich in edelster-Form eines jüdischen Unteroffiziers an, dem Unrecht widerfahren war. Der Druck des Alltagslebens hatte ihn vor dem Kriege wohl nicht'aus unfruchtbarem Dulden den Weg zur höheren Konsequenz -der bezwingenden Tat finden lassen. Der Krieg aber formte ihn* zu dem Juden, den die Zeit erfordert.