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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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56 Kutzinsfo, Arthur Pelz Arthur Pelz Was ich geben kann, sind nur Garben der Erinnerung, es sind aus der Fülle von Eindrücken, die sich zu einem einheitlichen Bilde formten, nur -einzelne Erinnerungsbündel, die sich aus der Gesamtheit besonders leb- Jiaft hervordrängen. Im Sommersemester 1900 wurde ich V. J. St.er. Meine Stellung zu jüdischen Dingen war entschieden. Es war die Zeit, in der der Grundstein .zu der äußeren Gestaltung unseres Bundes gelegt wurde. Die Expansionslendenz beherrschte alle. Ich stand,, noch ganz in individuellen Vorstellungen befangen, dem ratlos gegenüber. Die bei uns so verspottete ästhetische .Weitanschauung hielt mich trotz aller „Jüdischkeit" stark gebfanden. Da traf ich Pelz. Ich entsinne mich .noch der Erwartungen, die seine ehemaligen Schulkameraden an seinen Eintritt knüpften. Zunächst aber waren -alle enttäuscht. Fast allen schien es, als ob er nur niederrisse; nur wenige fühlten, daß seine scharfen, unerbittlichen Kritizismen nur die Aeußerung eines mit sich und der .Welt Ringenden waren, der seinen Spott über alle Kleinlichkeit und Eitelkeit ergoß. Schon damals, als ihm noch jede eigentlich positive Betätigung fernlag, trat er mit unbedingter Schonungslosigkeit gegen die sentimentalen Rethoriker und Blender auf, die alles Wahrhaftige zu verschleiern suchten, denen die Wirkung alles, das innere Erleben nichts bedeutet. Und damals schon keimten in ihm die Probleme, die ihn zeitlebens sowohl philosophisch wie sozial beschäftigten; das Problem der Formgebung, von dem das Aesthetische, wie er. selbst betonte, nur einen Teil bildete. So hat er ach noch in jüngster Zeil mit dem Cassirerschen Formbegriff beschäftigt. Die Diskussion über das Problem der Form führte uns zusammen. Pelz stand damals schon im Physikum. Es war in seiner Wohnung, Kleine Hamburger Straße, in einem kalten, unpersönlichen, aber durch die Herzlichkeit des Bewohners freundlich stimmenden Raum. Damals fühlte ich, der alles viel verschwommener, gefühlsmäßiger erlebte, die durchdringende Schärfe und Tiefe seines Verstandes, schon damals sprudelte seine glutvolle Hingebung an die Sache hervor. Damals schon tauchte, uns beiden noch ganz unklar, die Grundfrage auf: Wie formen wir unser jüdisches Erleben? Ist die Gestaltung, wie sie uns im V.J. St. gegeben wird, ausreichend und ganz erfüllend? Wir verneinten t eide. Denn beide sahen wir noch nicht die tieferen Zusammenhänge zwischen dieser Formgebung unseres Gefühls mit dem Leben in ,und für die Gemeinschaft. Und Pelz hat -es auch später einmal ausgesprochen, daß sich ihm erst nach vielen Jahren dieser Zusammenhang in aller Helligkeit heraushob. In unserer damaligen Not, die uns trotz aller .bereits getroffenen Entscheidung erfüllte, fanden wir uns zusammen. Dann ging Pelz nach Breslau. Auch dort stand, wie aus Briefen und Berichten hervorgeht, im Vordergrund seines Tuns die kritisierende Funktion. Er war mit dem Kleinlichen, das sich vor ihm auftat, «unzufrieden, er suchte nach weiteren Gesichtspunkten. Vereinstümelei war ihm zuwider. Und so kam es, daß ihn viele als zersetzendes Element betrachteten. Bei allem Negativismus gegen äußeren Formelkram unserer Ideen zeigt er schon in Breslau, daß er — wenn es not tat auch nach außen! — seine Pflicht erfüllte. Dort trat er bereits mehrmals öffentlich hervor *ind liat ^chon damals durch sein überwältigendes Temperament, die Echtheit seiner Gesinnung, die Unbedingtheit seiner Hingabe Freund und Feind mit sich 'forigerissen.

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