Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Türiß, Zionistische Bourgeoisie 55 nicht verhindern können, daß; unsere Alten Herren jüdische Bourgeois werden, genau so wie die andern. Wir müssen endlichanfangen, unseren Zionismus wesenhafter zu gestalten. Den einzigen Weg zur Lösungzeigt uns die erste Forderung des: Judentums, die da tautet: Tat, und zwar nicht die Tat, sondern irgend eine Tat. —> Um von gewissen Seiten nicht mißverständen zu werden,, möchte ich betonen, daß, ich damit durchaus nicht den Wert geistiger Arbeit verkenne. Wirklich wissenschaftliche Arbeit zur Vertiefung unserer Idee ist eben auch eine Tat. Von ihr müssen wir aber wohl unterscheiden alle jene mehr oder minder guten Artikel, die oft ohne die notwendigsten Grundlagen Dinge behandeln, die der Verfasser in alten J. St.en oft schon viel besser behandelt finden könnte. Solche Erörterungen hatten in den Anfangsstadien der Bewegung ihren Wert, heute, wo der gesamte Komplex unserer Probleme bereits bis zu einem gewissen Grade durchgearbeitet ist, erscheinen sie nur mehr als unfruchtbarer Dilettantismus. — Wir haben bereits eine große Anzahl von Vorschlägen und Programmen gehört. Heute heißt die Parole: Hebräischlernen, morgen Studium der Geschichte und Literatur, dann wieder Befolgung gewisser Ritualgesetze, dann Aufnahme von Palastina in das Lebensprogramm — wobei besonders zu fragen ist, wie es aufgefaßt wird. Gemeinsam ist allen diesen Versuchen, daß) gerade ihre Verkünder und Verfechter sie nicht ausgeführt haben. Wir erschöpfen uns damit, in der Theorie alles zu fordern, während wir in. der Praxis nichts tun. Das ist in höchstem Maße unjüdisch und bringt Uffis nimmermehr voran. Wer eine Lösung gefunden zu haben glaubt, der gehe an ihre Ausführung, der zeige sie den anderen nicht nur in der Theorie sondern in gelebter Wirklichkeit. Tatsächliche Ergebnisse werden überall Anerkennung finden und bei vielen Nachahmung. Zeigt uns ein Familienleben auf der Basis alt jüdischer Gesetze mit jungjüdischem Inhalte bringt uns die Erfolge praktischer Gemeindepolitik,, lehrt uns, was wirkliche Kenntnisse unserer Sprache und Geschichte bedeuten — tut etwas- und redet dann darüber. D e r Weg nach Zion ist noch nicht gefunden und wird auch niemals gefunden-werden; jeder muß* sich selbst einen für ihn gangbaren suchen.. Alle Programme übersehen, daß sie sich "an Menschen richten, verschieden an Charakter und Temperament, Veranlagung und Erziehung, und daß diese Eigenschaften in erster Linie die Mittel beeinflussen, die ein jeder zur Erreichung seines Ideales anwenden kann. Ein deutliches Beispie! hat uns das Schicksal des Palästinaaufrufs gegeben. Wenn Bundesbrüder zu der Erkenntnis gelangen, daß für sie eine Lösung in Deutschland unmöglich ist und zu dem Entschluß kommen, auf jeden Fall nach Palästina überzusiedeln, sobald die politischen Verhältnisse es gestatten — immer mehr kommen zu dieser Ansicht — dann sollen sie hinübergehen. Sie können sicher sein, daß> sie von den Herzen aller begleitet werden. Und beweisen sie die Gangbarkeit dieses Weges, so wird es keines Aufrufes bedürfen, damit andere nachfolgen. Müssen aber andere, die aus inneren oder äußeren. Gründen den nur in der Theorie gezeigten Weg nicht annehmen können, aus der Form der Problemstellung ein Werturteil über ihren Zionismus herauslesen, dann kann es nicht ausbleiben, daß. wir erregte Diskussionen* und sonst gar nichts erreichen. — Indessen geraten unsere Alten Herren immer mehr ins Fahrwasser der jüdischen Bourgeoisie.