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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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54 Tiirtß, Zionistische Bourgeoisie Lichte. Wo die Mehrzahl der Bundesbrüder im Felde steht, liegt-auf denen, die ein gütiges Schicksal von dieser unerträglich harten Pflicht befreit* doppelte Verantwortung. Und wenn es da möglich ist, daß solche Alten Herren während der ganzen Dauer des Krieges nicht eine einzige Stünde für die Verbindung erübrigen konnten, wenn sie in einer Zeit, in der ihnen sogar ihre liberale Tageszeitung Kunde gibt, daßi Großes im jüdischen Volke vorgeht, keine Zeit finden, um den J.St. oder die Rundschau zu fesen; müssen wir darin schlechterdings mehr sehen als oedauerliche Einzelfälle. Mit Beschämung hören wir auf jeder zionistischen Versammlung* immer wieder die Klagen über die mangelnde Mitarbeit der K. J.V.er, die „Führer des jüdischen Volkes" sein wollen. Und wir stehen vor einem psychologischen Rätsel, wenn wir immer wieder die, Erfahrung machen müssen, daßjunge Studenten aus Städten, in denen Alte Herren von uns leben, ohne jegliche Ahnung vom K. J.V. und seiner Tendenz, aber glänzend vorgekeilt von Alten Herren des K. C. uns an diesen verloren gehen. Woher nehmen denn die K. C.er die erforderliche Zeit und vor allem die Kraft der Propaganda, sie, deren Erziehungsarbeit wir als wertlos zii bezeichnen uns gewöhnt haben — und das alles in einer Zeit, von der wir sagen müssen: wenn nicht jetzt, wann denn? Es ist unnötig, noch weitere Tatsachen anzuführen, jeder von-uns kann sie selbst sehen. Aber auf einen Punkt müssen wir noch hinweisen, wenn auch dessen Berührung selbst in einer internen Diskussion peinlich ist, und zwar auf das jüdische Haus unserer Alten Herren. Welche Erwartungen setzten wir darauf! Es sollte uns in vielem die Vollendung zeigen, denn im eignen Heim muß jeder die Möglichkeit finden, sein Denken und Fühlen bis zu einem gewissen Grade!in lebendige Wirklichkeit umzusetzen. Ein 'Herzbild auf dem Schreibtisch oder eine N. F.-Büchse an der Wand bedeuten allein ebenso wenig wie die Mesusah an der Tür des jüdischen Bourgeois. Es genügt nicht, daß» in der Familie „die Menorah" vorgelesen wird, hier mußi sie entzündet werden. Was nützt alles Suchen nach der Neubelebung der jüdischen Festtage, wenn Weihnachten und Ostern unsere Feiertage sind! Wo ist unser jüdisches Haus, in dem ein Hauch von jüdischkeit zu spüren ist? Wir haben immer wieder cen Eindruck von jüdischer Bourgeoisie in zionistischer Spielart. Und hier ist die Stätte, wo die nächste Generation aufwächst, die doch ein gut Stück von Haus aus weiter sein soll und mußi auf dem Wege, den wir eingeschlagen haben, dessen Ziel zu erreichen wir in schmerzlicher Resignation verzichten müssen. Angesichts aller dieser Tatsachen kann es nicht ausbleiben, daß viele ernste Zionisten unsere Erziehungsarbeit sehr gering bewerten, daß sogar Bundesbrüder — vielleicht ganz unbewußt — sich außerhalb des K. J.V. einen Kreis suchen, in dem sieymehr Verständnis und Erfolg ihrer zionistischen Tätigkeit erwarten als im Kreise der Verbindung. Trotzdem haben wir den Glauben an unser K. J. V. nicht verloren. Wir werden bestärkt darin durch' die Erfahrungen, die wir im Felde machen können. Wie viele ältere Bundesbrüder, die vorher uns ganz entfremdet schienen, die sich in 'nichts von jedem' jüdischen Bourgeois unterschieden und mit uns jeden äußeren Connex verloren hatten, marschieren da stundenlang, um mit Bundesbrüdern zusammen zu kommen. Losgelöst von den Hemmungen, des Milieus, m das sie gegen ihren innersten -Willen hineingeraten waren, fühlen sie wieder,' wie eng sie mit dem K. J.V. und -seiner Gedankenwelt verknüpft sind. Der Wille ist in fast allen lebendig. Er allein kann ihnen und uns jedoch nicht genügen, wehin er nicht in Taten Form und Gestalt annimmt. Er aHein wird es auf die Dauer

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