Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Türtßj Zionistische Bourgeoisie 53 Der Zionismus braucht andere Menschen, und will er die deutsche Jugendheit nicht endgültig für die Zukunft des jüdischen Volkes verloren geben, dann muß' er sich selbst andere Menschen erziehen. Diesen Versuch -erleben wiir jetzt in der jüdisch-nationalen Jugendbewegung. Einen Teil dieser Bewegung bildet das K. J. V. Und durch die Be- .schaffenheit seiner Mitglieder, durch die bei anderen Jugendgruppen in gleichem Maße nicht vorhandene Möglichkeit der gegenseitigen Einwirkung und Beeinflussung der verschiedenen Generationen gewinnt das K. J. V. im Rahmen der Gesamtbewegung eine ganz besondere Bedeutung. Wir müssen uns bewußt werden, welche Verantwortung darum auf uns liegt, welche Wirkung auf die ganze Bewegung das Gelingen oder Fehlschlagen unserer Erziehungsarbeit haben muß. Unsere Aufgabe ist klar: die Möglichkeit zu beweisen, aus der jüdischen Jugend Deutschlands andere Menschen und bessere j u d e n - a 1 s jüdische Bourgeois erziehen zu können. Was wir "tun, gilt allein diesem Streben, findet seine Wertung allein in Rücksieht auf dieses Ziel. Nicht glänzende Semester, ernste Tendenzdebatten, nicht -schöne Programme und gute Erziehungsmethoden sind Zweck unserer Arbeit, alleinigen Maßstab und Kriterium unserer Existenzberechtigung bietet uns unser Alter Herr. Der Gang unserer Erziehungsarbeit ist im Grunde bisher stets der •gleiche geblieben und "Wird sich wohl wesentlich, auch niemals ändern können. Wir müssen stets versuchen, die jungen Menschen, die zu uns kommen, möglichst intensiv in unser Milieu und 'unsere Gedankenwelt zu ziehen und ihnen gleichzeitig-die notwendigsten Grundlagen an jüdischen Kenntnissen zu vermitteln, damit sie später ihrer individuellen Veranlagung entsprechend in der eingeschlagenen Ridhtung selbständig weiterarbeiten können. Das K. J. V. ist als älteste der bestehenden Jugendorganisationen bereits in ein Stadium der Entwicklung getreten, in dem es möglich und nötig ist, ein Urteil über das bisher Erreichte zu fällen. Wir haben bereits eine große Zahl fertiger Menschen, und es drängt sich die Frage auf: wodurch unterscheiden sie sich von den andern und •wodurch sind sie bessere Juden? Als Antwort diene uns eine kurze Betrachtung des-gewöhnlichen Lebensgangs unserer Alten Herren. Zu unserer größten Enttäuschung müssen wir immer wieder die Beobachtung machen, daß bei so vielen Bundesbrüdern mit dem Ende der Aktivitätszeit auch die jüdische Aktivität oft vollständig zu Ende ist. Wir wissen alle sehr wohl, was Beruf und Leben" von jedem verlangen. Wir müssen uns eine möglichst gute soziale Stellung schaffen und dafür Konzessionen machen. Aber wir wissen auch, Haß wir uns von diesen Sorgen nicht unterkriegen lassen dürfen. Für den jüdischen Bourgeois darf Beruf und gesellschaftliche Stellung einziges Streben sein; weil wir anders sind, wie wir glauben, mehr sein wollen, müssen wir mehr leisten und leisten können. Welch deprimierende Wirkung muß es auf die Dauer auf die Jüngeren machen, wenn sie stets aufs Neue sehen, daß, diejenigen, welche noch gestern: ,Jür Judas Ehre unser Blut und Leben" geschworen haben, nach einigen Semestern mit Berufs- und gesellschaftlichen Rücksichten den krassesten Indifferentismus entschuldigen wollen. Wir haben kein Recht, an der einstigen ehrlichsten Ueberzeugung dieser Bundesbrüder zu zweifeln, wir müssen aber den Mut verlieren,, für uns für späterhin garantieren zu können, wenn wir immer wieder derartige Beispiele erleben. Gerade jetzt im Kriege erscheinen diese Zustände in besonders grellem