Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537730-3537732--4286-3542033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
52 Türtß, Zionistische Bourgeoisie bedingungen vorbereiten. Dabei denk ich an die Gartenstadtlbewegung* Sie soll uns, die wir doch meistens Großstädter sind, am1 Ende zur eigenen Scholle bringen. Hierin und in der Arbeit unseres Ruder-V. J. St. sehe ich die gesunden Ansätze zu unserer Fortentwicklung. "Erst taußi aber der Krieg zu Ende sein, dann können wir an die Arbeit gehen, ohne viele Worte zu .machen, sondern durch Taten, die uns bis jetzt fehlen. Wartet bis wir daheim sind, für uns alle war und ist der Krieg, in gewisser Beziehung ein Lehrmeister gewesen. Sind wir glücklich daheim, dann wird die Arbeit früchtebringend beginnen. Denn in uns lebt der Feuerdrang dazu, zum Heil und Wohl des Volks und damit unseres Landes und Volkes. Aber so lange müßt Ihr warten! Zionistische Bourgeoisie Von Max Fürth (V. J. St. Maccabecea-Berlin A. H.) Auf jedem Konvent, in jedem J. St., auf jedem K. J. V.er-Tag und in jeder Unterhaltung von Bundesbrüdern kommt irgendwie die ATt-Herren- Frage zur Sprache. Immer wieder werden Vorschläge gemacht, wie offensichtliche Mißstände zu beseitigen seien. Man sucht nach einer befriedigenden Vereinigung von Zionismus und Beruf, man plant besondere Organisationen der Alten Herren, die durch intensivere Heran Ziehung und Beaufsichtigung jeden einzelnen zu jüdischer Betätigung anhalten sollen. Aus allem, was seit langem geredet und geschrieben worden ist, läßt sich leicht die allgemeine Erkenntnis herauslesen, daß hier nicht alles so ist wie es sein sollte. Und doch wird die Bedeutung des sogenannten Art-Herren-Problems vielerorts nicht richtig erkannt. Es ist kein Problem neben all den andern, die uns K. J. V.er beschäftigen, sondern wir müssen uns endgültig darüber klar werden, daß es'das Problem des K. J. V. ist, mit dem wir stehen oder fallen. In. (seinen Anfängen versuchte der Zionismus, durch eine intensive Propaganda mit überzeugenden Reden und Artikeln die jüdische Bourgeoisie Deutschlands für sich zu gewinnen. Man hat längst erkannt, daß' (dies ein untauglicher Versuch am untauglichen Objekt war. Wo krassester Materialismus A und O allen Denkens und Handels ist, kann für Zionismus (kein Platz sein. Am allerwenigsten hat der jüdische Bourgeois Lust, sich durch jüdische Dinge das mühsam erhaltene Gleichgewicht seiner Stellung erschüttern zu lassen. Er hat sich von seinen geistlichen Autoritäten aus einigen dehnbaren Allgemeinbegriffen einen gehaltlosen Judentumsersatz zurechtbrauen lassen, der ihm selbst nichts bedeutet und ihn zu nichts verpflichtet, der deshalb seiner Ansicht nach auch jedem arideren jede Angriffsmöglichkeit auf seine jüdische Art nehmen muß. Wie sich Antisemiten nicht durch eine noch so logische Apologetik der Assimilanten und ihrer Schutzpatrone bekehren lassen, so war es ein von vornherein aussichtsloses Beginnen, dem jüdischen Bourgeois durch überzeugende Beweisführung den Zionismus näherzubringen. Beide wollen sich eben nicht überzeugen lassen. Nur so ist es zu erklären, daß. beide_auch aus den Erfahrungen dieses Krieges nichts gelernt haben. Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, daß die heutige jüdische Bourgeoisie Deutschlands für den Zionismus nicht in Betracht kommen kann.