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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Picß, Formen und Inhalte 51 ausgeeilt sind. Somit haben wir keinen Grund zur Neuordnung. Achtlos dürfen wir natürlich an dieser Bewegung nicht vorübergehen. Wie gesagt, wir waren immer etwas anderes, und da wir nicht in 'die Form des Bestehenden hineingepreßt werden konnten, war unsere. Entwicklung nicht abgeschlossen, sondern ständig im Fluß«. Wir nahmen' von allem das, was uns für unsere Zwecke "gut schien, aus dem Bestehenden und fügten Eigenes hinzu. Es wäre meines Erachtens aber auch "verfehlt, wenn wir einfach Betrachtungen und Gebräuche, von deren Geeignetheit wir überzeugt waren, nur deswegen ablehnten, weil sie ,,deutsch" sind. — Durch die Fusion - war ein neuer Schritt auf der Bahn unserer Entwicklung getan. Im Bestreben der Angleichung der beiden bis dahin getrennten Gemeinschaften hätte sich ein neues homogenes Gebilde. natür- .gemiäß herauskristallisiert. In diesem Zeitpunkt kam der Krieg mit seinen Hemmungen. Er schul zwei Generationen: die Alten, die von Grund auf unser Leben und sein Werden kannten, und die Jungen, die unser Leben nur in einem schwachen Abglanz kannten. Die allgemeine Idee unserer Bewegung führte sie zu uns, Vielleicht fand ihr Eintritt, der bei ihnen sowieso schon eine beschlossene Sache "war, auf einer jener matten, uns allen unsympathischen Kommentkneipeu statt, und das war dann der erste Eindruck, den sie von d<er nduen Gemeinschaft und ihren Daseinsformen bekamen. % Getragen von dem allgemeinen Gedanken nach Erneuerung des akademischen Lebens, wie ich ihn vorher zu* skizzieren versucht habe, sehen sie in diesem ersten — ganz unwesentlichen — Eindruck etwas Reformbedrohliches, und darum liefen sie Sturm gegen alles, was ihnen veraltet erschien, ohne daß sie den Wert desselben kannten und Neues, Besseres <lafür setzen konnten. Hinzu kommt der allgemeine Drang nach Entfaltung des eigenen Ichs, das durch den Zwang des alles gleichmachenden Krieges eingeschnürt ist. Wird doch durch ihn die Persönlichkeit des einzelnen zur leblosen Masse degradiert. Damit verquickten sich noch politische Anschauungen eines Trotzki und Lenin. So verstehe ich wenigstens einen guten Teil der Berliner Vorgänge. Wer führen will, muß erst gehorchen lernen. Dabei komme ich auch noch darauf, daß ich es für vollkommen verfehlt halte, wenn die ,,Jungen", die sich erst in uns hineinleben müssen, schon in anderen Organisationen unterwiesen. Sie nutzen dort weniger, wie sie unserer eigenen gedeihlichen Arbeit schaden. Erst sollen sie uns ganz gehören, dann sollen und müssen, sie als die „Alten" draußen arbeiten. Der Gedanke Wunderlichs, kleine Kreise und Ringe zu bilden, ist mir sympathisch. Sie scheinen mir fiür unsere Arbeit förderlich. Wenn ich nun an die Arbeit denke, wie. sie uns gelegentlich skizziert worden ist, so fällt mir dabei auf, daß für eine harmonisch körperliich,- geistige Arbeit anscheinend kein Platz ist. Was nützen denn unserer Arbeit diese vergeistigten, weltfremden Menschen, oder ganz kurz gesagt, diese zionistischen Klosterbrüder!. Denn eine Art Klosterluit atmet so vieles, was da vorgeschlagen wurde. Jede Lebensfreude scheint bei uns verbannt zu werden. Wir brauchen aber gerade für unsere Arbeit in Palästina ganze Männer, die auch ihren Körper zu gebrauchen verstehen. Solange, wir nicht übersiedeln können, müssen wir uns wenigstens, auf die neuen Lebens- ■ ■'■ •■• ■

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