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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Triedentßaf, K.J.V. er - Sorgen 49 Studenten an den deutschen Universitäten auffordern, zu uns zu kommen,, indem wir im Volksheim arbeiten, Volksheime in anderen Städten errichten usw. Aber würde denn darunter nicht unsere Erziehungsarbeit leiden? höre ich einwenden. Daß die K. J. V.-Erziehungsarbeit, wenn man überhaupt von einer solchen sprechen kann, bisher falsch gewesen sein muß, sieht man an dem größten Teil der Alten Herren, die aus ihr hervor-, gegangen sind und die heute .inaktiv nicht nur in der Korporation, sondern auch im Zionismus geworden sind. Wenn zahlreiche Füxe als „unbrauchbar für das Kartell" abgegeben werden, müßten mit demselben Recht viele ältere .Bundesbrüder als „unbrauchbar für den 'Zionismus" abgegeben werden. Unsere Auseinandersetzung mit den Alten Herren würde ein ewiges ,(J'accuse" sein, und unsere größte K. J. V.er-Sorge ist die, wie wir es verhindern können, einmal „Alte Herren" zu werden. Nun, darüber ist ja schon früher genug gesagt und geschrieben worden. Nur eines möchte ich noch erwähnen: Die Stellung der meisten Alten Herren zum Blau-Weiß. Man wird mir Uebertrerbung vorwerfen, wenn ich sage, daß. viele unserer Alten Herren mit einem solchen Maß von Widerwillen und Abneigung dem Blau-Weißentgegen traten, daß es fast an Haß und Kampf grenzt. Ich bin der letzte, der den Blau-Weiß als die Jugendgemeinschaft ansieht, deren wir bedürfen, und als die wir ihn — nach Meinung der Alten Herren — ansehen. Jeder ältere Blau-Weiße ist sich schmerzlich bewußt, wie assimiliert und unjüdisch unsere Formen im Blau-Weiß sind. Aber diese Formen haben wenigstens iür die heutige Jugend einen Sinn — mögen sie den Deutschen oder Chinesen nachgemacht sein —, ebenso wie die Kneipe für die Früheren sinnvoll gewesen und heute für die Jüngeren sinnlos geworden ist. — Da sind wir ja glücklich bei der Kneipe angelangt! Es ist nicht richtig, die Kneipe zum Gegenstand einer Diskussion zu machen, denn sie ist nur ein Glied in der Kette des „Betriebes" einer Korporation. Das eben fürchten wir aus tiefstem, Herzen, in den „Betrieb" zu verfallen. Wochenprogramme wie die der B-reslauer Korporation z. B. müßte man ironischer Weise mit a:Der Weg nach Zion" überschreiben. Mit „Betrieb" und gesellschaftlichen Ehrgeizen werden wir der Verwirklichung des Judentums in uns keinen Schritt näher, kommen. — Ich sehe schon wieder im Geiste einen Alten Herren mit mildem, „verstehenden" Lächeln mir auf die Schulter klopfen: Stürme dich aus;, mein Junge, wir waren-f rüher genau so radikal. Das gibt sich, wenn man älter wird." „Alles schon dagewesen," eines der beliebtesten Argurnente, das. man immer und immer wieder zu hören bekom'mt. Und es hat doc|h niemand behauptet, daß wir etwas Neues und Unerhörtes tun wollen. Wenn man also schon so oft versucht hat, uns*er Kartell besser zu machen, wollen wir es zum soundsovielten Male versuchen — vielleicht daß wir mehr Glück haben. 1 Nun will ich noch ein Wort über das Keilen sagen. Es ist beschämend und unwürdig für uns, wenn Keilfüxe halb mit Ueberredung, halb mit Gewalf, indem sie sich wie Würmer krümmen und winden, bei uns „aktiv gemacht" werden, wie ich es wiederholt beobachtet habe. Wir. müssen mit einem Keilfuxen lange Zeit verkehren können, ihn lieb gewinnen und einsehen, daß: er Zionist werden kann — nicht einer, dessen, Zionismus sich im Lesen der „Jüdischen Rundschau" und in Spendern für den N. F. erschöpft —, bevor wir ihn in unseren Kreis aufnehmen. Die Aufnahme muß eine Belohnung für den Keilfuxen sein und kein Geschenk,

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