Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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48 TriedentßaC K. J. V. er - Sorgen Gerade für die deutsche Judenheit ist das wichtig. Da steht der einzelne inmitten einer zusammenhaltenden Umwelt. Eine große Wirkung dieses Krieges ist es, die deutschen Juden einander zugeführt zu haben, und es ist von entscheidender Bedeutung für ihr Fortbestehen, daß sie sich zu einer engern Gesellschaft zusammenfinden. Die Stärkung des Gemein- Schaftsbewußtseins ist eine jüdische Tat. Im Hinblick hierauf sollen die Werte gewürdigt werden, die uns K. J. V.ern die Kneipe vermittelt. Ihr gelingt es, das uns umschlingende Band bewußter zu machen, zu festigen; sie erzeugt diese Stimmung der Einigkeit und Rücksichtnahme, die wir schlechthin mit Bundesbrüderlichkeit bezeichnen. Der Vorwurf, unsere „Verbindung" sei eine Assimiktionserscheinung kann daher seine Berechtigung nicht daraus herleiten, daß! diese Form aus nichtjüdischen Kreisen herstamme. Er hätte nur dann einige Richtigkeit, wenn sie auch im Dienste der Assimilation" stände, im Sinne der Entjudung die Geister beeinflußte. Aber das Gegenteil ist der Fall, und wir müssen den Vorwurf zurückweisen, in irgend einer Gestalt der Assimilation Vorschub zu leisten Nationalismus und Assimilation sind unversöhnliche Gegensätze. Es ist unmöglich, den Zionismus gar als einen Schritt innerhalb des Assimi- Iatioaisvorganges darzustellen. Uns aber hebt über diese Fragen der Theorie hinweg der Wille, Jude zu sein, der sich auch in unsern Formen verkörpert, der imstande ist, auch über schädigende Einflüsse der Umwelt zu!siegen; der jüdische Wille, an dem die Stürme der Jahrhunderte zerschellt .sind, der uns die Zukunft des jüdischen Volkes bringt. K. J. V.er - Sorgen Von Hans Friedenthal (Fux der V. J. St. Ivria) Heidelberg Es wird jetzt so viel von allen Seiten über die Umgestaltung unseres Kartells diskutiert, daß, man nicht umhin können wird, auch einmal die Stimme eines Fuxen anzuhören.1 Ich bin mir bewußt, in dem, was ich zu sagen habe, durchaus nicht die Gesamtheit aller Füxe hinter mir zu haben, vielleicht nicht einmal den größten Teil. Ich' möchte aber nur, daß man einmal die Wünsche und Meinungen eines — immerhin großen — Teiles »der jüngeren K.J.V.er an dieser Stelle laut werdein läßt. Vieles hat Hans Oppenheim im vorigen J. St. schon vorweggenommen. Doch will ich seine Ausführungen um einiges erweitern. „Das K.J.V. ist eine, wenn auch wichtige, Organisation unter mehreren geworden." In diesen durchaus zu unterstreichenden Worten Oppenheims liegt — scheint wir — einer der Kernpunkte unserer gegenwärtigen Misere im K. J. V. Auf dem KarteMtag sagte ein Bundesbruder ganz richtig: „Wir deutschen Zionisten leiden am Führertimmel.'" Ganz besonders trifft dies auf uns K.J.V.er zu. Trotz der im Kriege gemachten •zionistischen Erfahrungen, trotzdem man gesehen hat, wie wenig wertvoll und leistungsfähig die deutschen Zionisten sind, ist der „Führerfimmel" bei uns durchaus nicht geschwunden. Wir im K. J. V. müßten endlieh Schluß machen mit unserer (wirklich nur äußeren) „Exklusivität", mit unserem „korporativen Stilleben" (wie A. H. Erich Cohnsagt), müßten uns bemühen, Anschluß an die Ostjuden zu finden — die nach Aussage eines Zweitchargierten aus „Betrügerpack" und ,,kulturlosem Gesindel" bestehen! —, indem wir z. B. die zahlreichen ostjüdischen zionistischen