Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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46 Landauer, Satisfaktion und Kneipe , Aber gerade das kann man. unsern Formen nicht nachsagen. Sie erscheinen vielmehr als "Mittel, eben solche sittlichen Einflüsse auszuüben» sind daher positive Güter, Auch in "diesem Gewände kann man jüdisches Leben, schaffen. /Das Typische der von uns gepflegten Form der Verbindung tritt in Erscheinung in den zwei Einrichtungen der Mensur, also der sogenannten unbedingten Satisfaktion, und der Kneipe. Daß gerade wir jüdischen Akademiker leider häufig genug in die Lage kommen, uns gegen die verletzende Haltung unserer Kommilitonen zu wehren und ihr Auftreten scharf zu beantworten, ist dabei unbestritten. Nur sollen wir uns an die staatlich bestellten Organe wenden und ihnen die Wahrung unserer Interessen übertragen. Da frage ich: kann die über einen schuldig Befundenen gerichtlich verhängte Strafe genügen, um der verletzten Ehre Sühne zu verschaffen? Nicht -nur, daß Art und Maß» der Strafe völlig außerhalb der Genugtuungswünsche des Gekränkten liegen, vor allem folgender UmstantI ist von Bedeutung. Gewisse Beleidigungen lassen sich nur von Gegner zu Gegner ausgleichen; eine Spannung ist entstanden, die sich nur elementar entladen kann, die Mitwirkung eines Dritten ist nicht allein störend und lästig, sondern es hiuß in solchem Falle geradezu verletzend sein, demütigend — oder lächerlich, einem Berufsrichter die Empfindlichkeiten seines Ehrgefühls aufzuweisen und, auszubreiten, eine Entscheidung aber von seinen objektiven - (oder gerade subjektiven) Anschauungen abhängig zu machen. Ehrbegriffe sind völlig eigenpersönlich, individuell, sie sollten keine Diskussion, keinen Handel und kein von außen hereingetragenes Urteil vertragen. Nur im unmittelbaren Verkehr, wie man sagt: unter vier Augen, läßt sich daher eine ehrenrührige Beschimpfung sühnen. Das Mittel zu dieser Aussprache ist der Zweikampf. Ich berufe mich auf meine Stärke* um den Beleidiger zu strafen. Daß gerade ich keinen Schimpf auf mir sitzen lasse, unverzüglich jede Herausforderung annehme, jede Krjinkung strafe, mich nicht auf die Machtmittel' einer „objektiven" Organisation beziehe,, mich gar deren ablehnendem Spruch unterwerfe, gibt mir das Ansehen und die Fähigkeit, in Zukunft mich vor Anwürfen zu schützen und die Dreisten abzuschrecken.* Wir K. J.V. er müssen darauf bedacht sein, jeder seine eigene "Stellung und die Würde der Gemeinschaft inmitten einer angriffsdisternen und feindselig gestimmten Akademikerschaft zu wahren. Hinzu kommt, daß die oben entwickelten Genugtuungsgrundsätze auch den Anschauungen jener gegnerischen Kreise entsprechen. Nur so aber kann ich meinen Angreifer fühlbar und wirksam zurückweisen, indem ich jede Anrempelung mit eben dem Mittel sühne, das in seinen Augen als ausreichende Sühne gilt. Im anderen Falle würden wir dem| Spott und nie endenden Herausforderungen preisgegeben sein; nichts jedoch kann unsere Stellung mehr erschüttern, nichts muß uns so empfindlich beleidigen als der Vorwurf einer Feigheit, eines Kneifens von Stammes wegen oder daß man uns gar wie in den Waidhofner Beschlüssen die sog. „Satisfaktionsfähigkeit" abspricht. Wir müssen uns hier unsere Anerkennung erzwingen, wortwörtlich mit der Waffe in der Hand. Aus diesem letzten Argument nun hat man uns den Vorwurf gemacht; assimilantischen Duelltendenzen zu huldigen. Zuzugeben ist, daß die Mensur eine Erscheinung und spezifische Aeußerung der deutschen Waffenstudentenschaft ist. Aber eben nur die Mensur in formaler Hinsicht. Es» entspricht jedoch dem getroffenen Ehrgefühl, Selbsthilfe mit der Waffe