Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Landauer, Satisfaktion und Kneipe 45 jeder selbst seine persönlichen Uebersiedelungsmöglichkeiten bestimmen Icann, und um au unserer Kolonisationsarbeit tätigen und verständnisvollen Anteil nehmen zu können. Mit .aller Entschiedenheit werden wir uns bemühen, wieder echtes Gemeinschaftsleben hervorzurufen. In enger Zusammenarbeit und Verbundenheit muß die Vorbereitung auf Palästina in unseren Verbindungen erfolgen, V/ie dereinst die Uebersiedelung erfolgen soll. Wenn heute die Formen dieses Gemeinschaftslebens noch nicht feststehen, so ist das kein Grund zur Beunruhigung: sie werden gefunden werden, sobald wir sie suchen, ohne ängstliche Rücksicht auf die Sitten und Gewohnheiten, die fremd und •überlebt sind. In unseren so beschaffenen und arbeitenden Verbindungen wollen -wir die Mitarbeit der £lten Herren, Denn Erziehung zu leisten, ist das Schönste und Wertvollste, was der Zionist im Gallith leisten kann. Unsere ~ Alten 'Herren sollen sich damit nicht begnügen, sie sollen sich ihr Arbeitsfeld schaffen, jeder nach der ihm eigenen Begabung und seinen eigenen Interessen: Jugendarbeit im Blau-Weiß oder Turnerschaft, im K. J.V. oder in Jugendvereinen, Arbeit in der Partei, Gemeindetätigkeit, Propaganda, Politik, Kulturarbeit. Nur soll niemand glauben, damit genug getan zu haben oder hier unentbehrlich zu sein. Gerade unsere Besten gehören nach Palästina. Satisfaktion und Kneipe Zum Thema: K.J.V. und Assimilation Von Georg Landauer (V. J. St. Bonn) Das Thema ist natürlich nicht neu: solange es zionistische Organisationen gibt, solange hat man sie mit dem Argument bekämpft, Zionismus sei Assimilation, zumindest die organisatorische Form sei assimilantkcfil Truher wurde der Einwand nur von der Orthodoxie erhoben, die die Religion gegen vermeintliche Verweltlichung schützen wollte. Und sie * hat ihn auch noch nicht fallen lassen. Sie kann das auch nicht, denn hier stellt (nicht Grund gegen Grund, sondern das. Dogma gegen. denllEntwicK-' tüngsgedS lnnenist'ci in den sie ewiglich unteffaiicfiel^lHntr efen sie daher mit starker Einfassung, ohne Abflüsse, umgeben möchten. Uns ist es ein Fluß, der einem Ziele zuströmend, seine ganze Umwelt widerspiegelt und in sich aufnimmt, rauschend und treibend Wirklichkeitswerte schafft. Er mündet in das Weltmeer, in das alle Ströme sich ergießen, in das Ideal einer allumfassenden Völkergemeinschaft, aber >er erschöpft sich nicht, denn sein Quell ist das unsterbliche jüdische Volk. Damit müßten wir uns abfinden. Vielleicht ist dieser Gegensatz sogar heilsam und förderlich: jede Gemeinschaft braucht den Konservatismus, wenn auch nicht in dem Maße, wie den Fortschritt, nur regulativ. Aber auch in unsern Reihen glaubt man an die Unterschiebung und fordert laut die Abschaffung der unjüdischen Formen. Und da sollen wir jüdischen Studenten zu allererst ^unsere studentischen Gebräuche beseitigen. Sie, heißt es, verzehren unsere Kräfte, veräußerlichen und entsittlichen unser Pathos; wir trieben den Götzendienst der anderen'Völker, das besagt: wir trieben Assimilation. Hier aber muß ich Einspruch erheben, denn damit geht man entschieden zu weit. Was bedeutet denn Assimilation praktisch anderes als das Aufgeben jüdischer Werte und Güter?