Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei Konvente 41 Wie die Entwicklungweitergehen wird, in welchen Formen sie praktisch zum. Ausdruck gelangen wird, läßt sich heute schwer sagen. Die Grundideen, auf denen das alte K. J. V. beruhte, müssen aber auf alle Fälle auch in eine neue Zeit hinüber genommen werden. Diese drei Ideen sind die Forderungen der Disziplin, dier Bundesbrüderlichkeit uqd der Männlichkejt. Wie die Gerne in scnafien audi^Tmmer org^Tstert sein mögen, was sie auch imlmer als ihre spezielle Aufgabe ansehen mögen, sie müssen die Erfüllung ihrer Forderungen von jedem einzelnen Mitglied« durch eiserne Disziplin verlangen. Disziplin im weiteren Sinne, in ihrer zionistischen, allgemeinen Bedeutung ist soziales, staatsbürgerliches Verhalten. Die Bundesbrüder zu Menschen von staatlichem Ordnungssinn, sittlichem Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinschaft zu erziehen, ist die Aufgabe, die wir unter der Forderung der Disziplin verstanden wissen wollen, die nie veralten kann, sondern immer dringender wird, je mehr wir uns mit dem wirklichen Aufbau Palästinas zu befassen haben. Ich glaube nach wie vor, daßi hier eine spezielle Aufgabe für deut- I sehe Zionisten liegt, hier im Verhältnis zu den ostjüdischen Zionisten t h r e f besondere Eignung für Palästina. * Bundesbrüderlichkeit ist nicht allseitige Freundschaft, sondern das Gefühl, durch ein besonderes Treuegelöbnis verbunden zu sein. Dieses Gefühl der Verbundenheit muß und kann auch jene Uneinheitlichkeit in der Auffassung der persönlichen zionistischen Aufgaben der Einzelnen überbrücken, von der die Rede war, und die nach dem Kriege vielleicht noch viel stärker hervortreten wird, als früher. Unter Erziehung zur Männlichkeit verstehe ich das gute alte Erziehungsprinzip des K. J.V., in dem in früheren Jahren der gesamte Gegensatz zur Lebensauffassung und Lebenshaltung der Assimilanten zum Ausdruck kam: Sich nicht an alle möglichen Interessen und Modeideale verschwenden, sondern die ganze Kraft der Persönlichkeit auf eine große Aufgabe konzentrieren, nur für Dinge eintreten, für die man auch die ganze Persönlichkeit und nötigenfalls sein Leben einzusetzen gesonnen ist! Ich glaube zu sehen, daß die jüngste Generation gerade diesem Gedanken vielleicht etwas entfremdet ist. Ich spüre da zuweilen etwas zu viel Weichheit und Zerfahrenheit. Ein Ausgang des Krieges, der unsere Paläst in ahoffnung nicht erfüllt, sondern vielleicht sogar klar enttäuscht, und Palästina in weitere Ferne rückt als es je gewesen, würde nach meiner Ueberzeugung auch von größter Bedeutung für die inneren K. J. V.-Fragen werden. Zwar bleibt da noch ein zweites Problem, das bisher nur gestreift worden ist, das aber die Gemüter während der Kriegsjahre tief bewegt hat, die Frage des Galuth-Zionismus; auch von hier geht eine neue Entwicklung aus, ja man hat bisher die neue K. J.V.-Frage fast ausschließlich unter diesem Gesichtspunkte behandelt. Er ist und bleibt auch in der Tat wichtig. Sobald die Jugend - als ihre eigentlichste Aufgabe die eigene jüdische Entwicklung des Einzelnen betrachtet, tritt der andere Gedanke notwendig in den Hintergrund, Künder der zionistischen Idee im deutschen x Judentum zu werden. Immer bleibt das wesentliche, daß die Einstellung! auf das deutsche Judentum modifiziert wird thirch die Einstellung auf die Palästina oder auf die eigene Persönlichkeit. Dennoch aber glaube ich, daß das K. J.V. den Charakter einer Kampftruppe innerhalb des deut- | sehen Judentums, wenn auch mit gewissen neuen Nüancierungen, wieder- | gewinnen würde, wenn die Palästina-Stimmung durch den Zwang der I