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Der jüdische Student · 1918-09-01 · Heft 3-4 (September 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 3-4 (September 1918)
Date
1918-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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40 Zwei Konvente wegen ihrer Einstellung auf das deutsche Judentum, oft genug ihren ostjüdischen Brüdern unwillkürlich oder willkürlich den Rücken gekehrt haben, ist heute das Umgekehrte eingetreten. Auch das herzliche, wirklich brüderliche Verhältnis zu Ostjuden ist nicht sowohl eine Folge der näheren Berührung mit ihnen* die der Krieg herbeigeführt hat, alsvielmehr auch eine Folgeerscheinung des entschlossenen Palästinawillens.. Es ist o*hne weiteres^ klar, daß ein Fortdauern dieser Stimmung über den Krieg hinaus auch auf die Gestaltung des Korporationslebens von entscheidendem Einfluß sein muß. Auf der einen Seite wird das K. J. V.. seiner alten Aufgabe, in die deutsche Assimilation eine Bresche zu schlagen,, weiter treu bleiben wollen, auf der andern Seite wird es auch einer Hechaluz- Bewegung der jungen Generationen zum Ausdruck verhelfen müssen. Es. werden nach wie vor ganz oder fast unvorbereitete Neulinge von unseren Korporationen erfaßt werden müssen, andererseits aber auch Jungen, die vom Blau-Weiß oder von wo anders her, eine ausgesprochene Hechaluz- Stimmung mitbringen. Man muß sich fragen, ob es möglich und wünschenswert In st, so verschiedene Elemente in der sodann mechanisch gewordenen Einheit unserer bestehenden Korporationen zusammenzufassen, oder ob wir nicht mit kleineren Sonderkreisen innerhalb der Korporationen werden rechnen oder sogar neue Korporationen werden begründen müssen. Ilst unser Fuxentmterricht im alten Sinne, der im wesentlichen: eine Argumentation des Zionismus für deutsche Juden war, noch das berechtigte Erziehungsmittel für einen Jungen, der entschlossen? ist, nach Palästina zu gehen? Oder auch nur für einen Jungen, dem die zionistische Argumentation, die Auseinandersetzung mit der Assimilationgleichgültig geworden ist, weil er sich durch ein selbstverständliches Gefühl lief im Zionismus verankert weiß und nur noch durch die Frage bewegt wird, wie man seinem Gefühl entsprechend leben müsse? Muß nicht tlas gemütliche Verhältnis von Jungen, die Palästina gewählt haben, zum K. J. V. notwendig ein anderes sein, als das Geiühl der Früheren die sich schon als Füxe in ihrer zukünftigen Alt-Herren-Würde im K. J.V. gesehen haben, und denen das K. J.V. von vornherein als ein „Rückhalt für ihr ganzes Leben" gilt, als ein Rückhalt nämlich im Kampfe um das deutsche Judentum? Sicher wird für die ersteren das K. J.V. mehir als ein Ueberga^g als eine Heimat sein. So haben wir nach 'dem Kriege unter Umständen mit keiner Einheitlichkeit der Stimmung zu rechnen; das Verhältnis der einzelnen Bundesbrüder zur Korporation wird vielleicht verschiedenartig betont sein, und ich bin der Ansicht, daß wir heute in Berlin nichts anderes] erleben, als eine Krise, welche diese Entwicklung anzeigt. Es ist nämlich gar nicht so, wie manche älteren Bundesbrüder glauben, daß die jüngeren nur deswegen nicht von dem Wesen des' alten K. J. V. ergriffen sind, weil sie es nicht konkret vor sich sähen, und weil es die ältere Berliner Generation nichtverstanden hätte, zum mindesten das Bild und den Geist des Alten den Neulingen nahe zu bringen, sondern auch, wenn wir das alte K. J.V. in seiner besten Friedensverfassung heute erstehen fassen könnten, würde sich die Auseinandersetzung mit dem Geist der jüngeren Generationen vielleicht nur noch 'entschiedener vollziehen. Das ganze studen- I tische Wesen, soweit es dem K. J.V. noch anhaftet, ist ja letzten Endes doch 'I nur die Einstellung auf das deutsche Judentum und auf deutsch-jüldische i Aufgaben zu erklären. Aber selbst bis auf die Fragen des Tendenzfuxenunterrichts würde sich, wie schon gesagt, der Einfluß einer starken Palästinaströmung erstrecken.

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