Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 3-4 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Zwei Konvente - 37 teil regelmäßig eine Aussprache herbeizuführen und damit allen Gruppen von Alten Herren die Fühlung mit den Jüngeren und den gebührenden Einfluß zu vermitteln. Bedauerlich aber sei, daß-, wie der Besuch des Konvents schlagend beweise, die derzeit führende Gruppe an dieser Aufgabe des Bezirksverbandes kein Interesse nehme, vielmehr offenbar absichtlich beiseitestehe und den Bezirksverband einschlafen lassen wolle. Auf diese Weise werde die höchst unerwünschte Spaltung mit unabsehbaren Folgen unvermeidlich sein. Lelewers Kritik fand keinerlei Widerspruch, nur Ergänzungen mehr oder weniger begründeter Art. Die Loslösung vieler Alten Herren von der Korporation wegen der Formlosigkeit und Unerzogenheit so vieler Jüngerer fand starken Ausdruck; wenngleich ich glaube, daßi nur wenige Bun^ desbrüder diesen tief bedauerlichen Mangel als das entscheidende Moment für das Verhältnis der Alt-Herrenschaft zur Aktivitas ansehen. Vielmehr scheinen mir, nach ihrer widerspruchslosen Aufnahme, etwa folgende Ausführungen eher als der Wahrheit näherkommend anerkannt worden zu sein: Das K. J. V. ist, soweit die Korporationen in Frage stehen, Erziehungsinstitut. Das intime Verhältnis zur Aktivitas muß: daher auf diejenigen beschränkt bleiben, die sich der Erziehungsaufgabe, im weitesten Sinne, widmen. Als solche Aufgabe kommt heute das zionistisch genügsame Lebensideal der meisten Alten Herren nicht mehr in Betracht. Hebraisierung und Vorbereitung auf Palästina einschließlich der persönlichen Fühlungnahme zum Ostjudentum sind Inhalte des Korporattons- Icbens, die zwar nicht Alleinrechte — unter Vernachlässigung der persönlichen Erziehung z. B. — in Anspruch nehmen dürfen, aber doch auch nicht wieder hinweggedacht werden können. Daßi daraus eine Geringerschätzung vieler Alten Herren in jüdischer Beziehung seitens der Jüngsten die Folge sei, könne weder Wunder nehmen, noch dürfe es — abgesehen von den iäußeren Ungezogenheiten — zur Klage gegen das System benutzt werden. Letzteres sei höchstens dann berechtigt, wenn man die Vorbereitung auf Palästina für verfrüht, als eine unverantwortliche Verführung der Jugend ansehe. Dieser Meinung dürften aber doch wohl nur sehr wenige Bundesbrüder sein, während die meisten derer, die für ihre Person sich mit der Diaspora abgefunden hätten, die Jugtad zu ihrem Entschluß und der ihr günstigeren Situation beglückwünschen. Daß diese Erziehungsaufgabe heute, wenn auch vielleicht nicht mit ausreichenden, so doch mit allen verfügbaren Mitteln und mit größter Hingabe durchzuführen versucht werde, könne nicht bestritten werden. Es sei daher grundfalsch, gegen die Bundesbrüder, die dank ihrer besonderen Eignung oder Liebe zum Beruf des Lehrers und Erziehers sich dieser Korporationsarbeit widmen, den Vorwurf zu erheben, daß sie die anderen aus den Korporationen verdrängten. Ungeschicklichkeiten seien zwar unbestreitbar,, aber auch diese häufig durch die langdauernde mangelnde Mitarbjeitb derer entschuldbar, die sich heute beschwert fühlen. Für die meisten Kritiker ,aber sei das Tor der Mitarbeit weit geöffnet, nur daß sie es nicht sehen, weil sie für die Erziehungsaufgaben keinerlei Eigenschaften oder Liebe mitbringen. Für diese Kritiker, und dazu werde man von dem derzeitigen Bestände an Alten Herren die Mehrheit rechnen müssen, sei eine ganz andere Aufgabe gegeben, der sie sich leider bisher nicht unterzogen hätten: die Außenarbeit. Sie werde auch von den Jüngeren nicht unterschätzt werden, sobald sie mit Energie begonnen würde; nur Arbeit und Aufgaben, die wir den Jüngeren nicht erwiesen, müßten notwendigerweise als nicht-