Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Presse ai Im September 1917 ist ein Jude namens Naaman Beikind ergriffen worden, als er durch Sie Front nach Aegypten kommen wollte. Bei der Untersuchung, die nach allen Regeln* der Inquisition durchgeführt wurde, beschuldigte Beikind einige Juden der Spionage. Einer von diesen, namens Josef Liszansky, zog die gesamte Organisation der jüdischen Koloniewächter „Haschomer" und anäere jüdische nationale Kreise herein. Beikind lind Liszansky wurden in Damaskus zum- Tode verurteilt (nach anderweitigen Informationen wurden sie dann zu lebenslänglichem« Kerker begnadigt. Das Jüdische Pressebureau.) Zwei andere Beschuldigte, Sara Aronsohn und Schwarz, sollen im Gefängnis Selbstmord begangen haben. Es ist aber die Annahme begründet, daßt sie durch die an ihnen angewendeten Inquisitionsmethoden gestorben sind. Der Vater der Frau Aronsohn, ein unschuldiger, angesehener Greis, ist infolge der Mißhandlungen wahnsinnig geworden. (Hier folgt eine lange Zensurlücke.) Ueber die Art der Untersuchung berichtet das genannte Blatt, daß die Beschuldigten mit glühenden Eisenstangen auf der Brust, mit Prügeleien auf die Fersen und sonstigen furchtbaren Peinigungen und Martern bearbeitet wurden; man kann sich eine Vorstellung davon machen, welchen Wert Geständnisse unter solchen Bedingungen haben. Und die Inquisitionsmethoden wurden gegen die gesamte jüdische Bevölkerung angewendet! Viele Kolonisten in Galiläa und insbesondere die Mitglieder des „Haschomer" haben darunter schrecklich gelitten. Diese seltsame Untersuchungsmethode wird aber nicht nur gegen Spionageverdächtige angewendet, sondern auch bei gewöhnlichen Haussuchungen nach Waffen und dergleichen. So war es in den Kolonien Sichron Jakob, Theman und Kinereth. Eines schönen Tages umzingelt eine Militärabteilung die Kolonie, schleppt alle Kolonisten in ein Lokal und man beginnt in den Wohnungen nach Waffen zu suchen. ((Lange Zensurlücke.) Wie leicht und grundlos man unter dem Regime Djemal Paschas in Verdacht geraten kann, beweist der Prozeßgegen den „Haschomer". Trotz aller f^cbarischen Inquisitionsmittel konnte keinem einzigen der Mitglieder dieser Wächterorganisation das ihnen vorgeworfene Verbrechen nachgewiesen werden, denn die angeklagten Wächter ertrugen mutig und heldenhaft die größten Qualen und Peinigungen und ließen sich kein Geständnis erpressen. Die Unsicherheit im Lande illustrieren ferner folgende Fälle: In Tiberias wurde der jüdische Bankdirektor Ben-Towim verhaftet, weil irgendwo im Lande englisches Geld gefunden wurde. An einem anderen Orte wurde ein Ingenieur zur Verantwortung gezogen, weil man bei ihmeinen photographischen Apparat gefunden hatte. In Kinereth wurde Frau Channa Meisel, eine angesehene Schulleiterin, von einem jungen Offizier geprügelt und beleidigt. In einer anderen Kolonie hatten die Offiziere die Frechheit zu fordern, daß man ihnen die Frauen der Kolonie ausliefere. Sie stießen aber auf den Widerstand der iKolonisten und Wächter. Für die Juden wurde ein Verbot des Reisens von einem Ort in den anderen erlassen, und dies rief bei der nichtjüdischen Bevölkerung den Eindruck hervor, daß> die Juden vogelfrei seien. In einer Moschee in Jerusalem wurden die zahlreich Versammelten von einem Pascha öffentlich zum Haß gegen die Juden aufgereizt. Den jüdischen Kolonisten und Wächtern wurden die zur Bewachung und zum Schutz der Kolonisten bestimmten Waffen ausnahmslos weggenommen, während die Beduinen im