Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Oppenheim, Der Alte Herr und die Korporation Rosenblüth etwas variieren und sa^en: Früher beklagte man sich, daß die Jüngeren zu unzionistisch, jetzt, daß sie zu zionistisch seien. Oder ist es nicht so? In engstem Zusammenhange damit steht die Behauptung eines anderen Bundesbruders, daß der Alte Herr deswegen nicht in die Korporation käme, weil er dort keine Anregung fände. Das stimmt bis zu einem gewissen Grade. Indessen ist es ja nicht zum ersten Male versucht worden, durch Vorträge und gesellige Veranstaltungen diesem Uebel zu steuern, und trotzdemsind diese Versuche auf die Dauer gescheitert. Wer von den Alten Herren bei diesen Gelegen^ heiten auf der Kneipe zu finden war, kam nicht ihretwegen ^dorthin,, sondern weil er Befriedigung in dem Zusammensein mit Jüngeren fand* oder weil ihn sein zionistisches Pflichtbewußtsein dahin trieb. Um die große Menge der Aelteren handelt es sich hierbei aber nicht Sie blieben fem und werden auch fern bleiben, selbst wenn der von Walter Moses propagierte Gedanke der Interessengemeinschaften Anklang findein sollte. Schließlich mag auch der Bundesbruder erwähnt werden, der das Heil von dem Wiederaufleben der alten en g.e r e n Korporationsgemeinschaften erwartet. Ihm wurde ja schon auf dem Konvent gebührend geantwortet. Diese Scheidungen sind künstlich. Es gibt keinen besonderen Geist der Hasmonäer usw., der jetzt noch für die Neuen inndend wäre. Gewiß, Felix Rosenblüthi hat Recht, wenn er analog dem Zugprinzip im Blau-Weiß aus pädagogischen Gründen den Wiederaufbau der Einzelkorporationen fordert. An der Stellung der Alten Herren ändert das aber nichts. Die alte Verbindung stand ihnen persönlich nahe, die neue gibt ihnen nicht so viel, daß sie ihr Opfer an Zeit oder Kraft zu bringen in der Lage wären. — . Es hat sich ja auch so viel, so unendlich viel geändert! In tausend Punkten versteht man sich einfach nicht mehr. Ich habe auf dem Konvent eine Menge gehört und gesehen, was — ja, ich muß es sagen[,j— mein Erstaunen erregt hat. So z. B. die Aufregung darüber, daß die Füxe bei einem solchen Konvent anwesend waren. Ich hatte dabei das Gefühl, als wenn meine Mutter bei der Besprechung irgend eines heiklen Themas leise erklärte: „Pas en presence des enfants". Erst geht es in der Korporation schief, worauf die meisten ein Austrittsgesuch einreichen wollen, und dann sollen sie, ausgerechnet sie, die als. die einzigen das Recht haben, die Begründung zu hören, den Saal verlassen! Warum? Damit wir uns nicht vor ihnen zu schämen brauchen? Wenn wir es müßten, dann sollten wir es gründlich tun; das wäre dann ein Genesungsbad — für uns und für sie. Oder damit wir vor ihnen mehr gelten als wir sind? Das wäre wiederum das alte, schon gegeißelte Autoritätsprinzip von verflossenen Zeiten. Damit sie nicht die Verantwortung an den ^Dingen, zu tragen haben, die sie am meisten berühren? Nach dem Konvent müssen jsie ja doch wieder allein arbeiten! — Noch ein Anderes Bild, ein aktuelles schwebt mir bei diesen Dingen vor: so etwas wie von Vergewaltigung der Entwicklung der Jüngeren durchl die Aelteren. — Wir haben jetzt fast vier Jahre Krieg, und in dieser Zeit ist der Zionismus — es muß