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Der jüdische Student · 1918-06-01 · Heft 1-2 (Juni 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 1-2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Oppenfieim, Der Alte, Herr und die Korporation 19 . schon für manche gesagt werden — über die sogenannte Führerstellung des K. J. V. und des K. J. V.ers hinausgewachsen: Das K.J. V. ist eine, wenn auch wichtige, Organisation unter mehreren geworden. Diese Tatsache müßte zum mindesten an unserer Phraseologie einiges geändert haben. Der „zionistische Alte Herr" kann nicht mehr im alten Sinne Ziel unserer Erziehung sein. Dieses etwas unbestimmte Mannesideal hat einem anderen enger umschriebenen weichen müssen: dem zionistisfch-ajctiveji Alten; Herrn, der nicht nur auf dem Boden des Parteiprogramms steht, sondern seine ganze Kraft dauernd für aie Sache unseres Volkes einsetzt. Damit verstchiebt sich eben unsere ganze Erziehung um eine Stufe. In immer stärkerem Maße erhalten wir zionistisches Fuxenmaterial, wir können und müssen von dem Fuxen schon eine Entscheidung seiner Berufswahl nach zionistischen Gesichtspunkten verlangen. Damit ist selbstverständlich ein allgemein höheres zionistisches Niveau der Aktivitas bedingt. — Das Verdienst für diesen gewiß erfreulichen Aufschwung liegt nicht zum letzten bei den Alten Herren. Nur würde sie den Sinn aes K. J.Y. und jeglicher Jugendbewegung durchaus mißverstanden haben, wenn sie für diesen Erfolg eine Belohnung verlangen würden. Eine Rücksicht in sachlicher Beziehung kenne ich nicht. Darum wundert es mich, wenn Arthur Stein die Forderung aufstellt, wir sollten mit Rücksicht auf die im Felde stehenden Bundesbrüder von jeder Neuerung und jedem Reforma tionsgedanken absehen. Das hieße ja, den Schaden, welche die Korporation durch den Krieg und durch die Einziehung des größten Teils unserer Leute erleidet, noch um ein Beträchtliches vermehren. Stillstand ist der Tod jeder Bewegung; künstlicher Stillstand — Selostmord. Außerdem überlege man sich, daß der Krieg heute nach studentischem Zeitmaß acht Semester dauert und noch manches Semester währen kann, daß es also heute keinen Aktiven mehr gibt, der nicht erst im Krieg zu uns gekommen ist. Diese Aktiven auf das Programm einer älteren Generation festzulegen, bedeutet eine Vergewaltigung, die sich nicht verantworten läßt. Die Korporation gehört der Aktivitas und dem, der sich zu ihr rechnet. Sie gehört den Jungen, selbst wenn dabei manches schlechter gemacht wird, als wenn Aeltere das Heft in Händen hielten. Ich kehre zur eigentlichen Altherren-Frage zurück. Es gibt keine Schuld dafür, daß. sie sich nicht beteiligen. Das K. J. V. ist eine Lebensgem einschaft, und diese Tatsache erfordert eine Erweiterung, nicht eine Verengerung der Grenzen. Es gibt nur wenige Menschen, die in der dauernden Beschäftigung mit der v Jugend ihre Erfüllung finden. Das K. J. V. ist aber auch eine Tatgemeinschaft, deren Bindung das Bewußtsein ist, für eine gemeinsame Sache zu arbeiten. Der persönliche Zusammenhang bleibt dabei dem Zufall überlassen und wird sich meist nur zwischen Gleichaltrigen finden. Ich halte es für den höchsten und eigentlichsten Begriff der Bundesbrüderlichkeit, wenn ich aen anderen als Mitstrebenden empfinde, und darum- Vertrauen in ihn setzen kann. Das vermeintliche „Mehr", die persönliche Freundschaft, ist zwischen

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