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Der jüdische Student · 1918-06-01 · Heft 1-2 (Juni 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 1-2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Rosentfiaf, Ist unser Korporationsleben wirklich reformbedürftig? 11 nünftig war — herausgebildet, auf jeglichen Trinkzwang zu verzichten» und Biermensuren, endloses Spinnenlassen und was dergleichen Unfug mehr ist, gehören doch bereits bei uns der Legende an. Ich sehe nicjht ein, was an einer Bier- oder Weinkneipe ohne Trinkzwang, bei der man einem Zutrinken durch! ein „l'chajim" genüge tun kann, unjüdisches sein soll. Die Formen zur Erhaltung der allgemeinen Ordnung und Erzielung einer Gesamtstimmung lassen sich kaum entbehren. Wer, wie ichjetzt im Kriege, Weinabende mit Leuten, die auf den zahmsten Komment nicht reagierten, mitgemacht hat, wird mir bestätigen, daß sie zum Weinen waren und unbefriedigend verliefen, da jeder sich auf seine Weise amüsierte, oder meist nicht amüsierte. — Man kann auch begeistert sein ohne Alkohol, das weiß: ich sehr gut, und doch, wer hat nicht den Zauber eines guten Tropfens — mit Maß genossen — empfunden! Mir scheint, die Kneipe ist unsern Blau-WeißrKeilfuxen ein liebgewonnener Stein des Anstoßes geworden. Doch weit wichtiger erscheint mir die Aufgabe der Korporation als Erziehungstaktor und da glaube ich allerdings die Unterschiede von Fux, Bursch) und Alten Herren nicht entbehren zu können. An die Worte will ich mich nicht klammern, meinetwegen mag man Lehrling, Geselle und Meister sagen, meinetwegen es auch ins Hebräische übersetzen. Daß die Begriffe, die wir mit dieser Teilung verbinden, sich nicht mehr mit denen der deutschen Verbindungen decken, sagt ja Erich Cohn selbst, Sie werden sich noch mehr umformen, denn sie sind uns keine Stufen mehr in der zionistischen Entwicklung. Der Prozentsatz der Nichtzionisten, die bei uns aktiv werden, ist — ich bin allerdings über dieses Verfxaltnis während des Krieges nicht unterrichtet — jedenfalls so verschwindend gering, daß wir darauf bei der Anlage unsres Arbeitsprogramms keine Rücksicht zu nehmen brauchen. Selbstverständlich wird die zionistische Reife in den Jahren der Aktivität fortschreiten, denn mit achtzehn Jahren ist sie nur bei Genies und Trotteln abgeschlossen, aber darauf kommt es mir gar nicht hier an. Die Korporation soll ihre Leute zu Soldaten in der Idee und für die Idee erziehen. Nicht große Führer heranzubilden ist der Zweck. Nur wenige sind dazu berufen, wenn sich auch mehr dazu auserwählt fühlen. Es hört sich so schön an: für eine Idee sterben. Viel schwerer ist es für sie zu leben, sich ihr unterzuordnen, sich selbst hintanzusetzen. Gerade die heutige Zeit kann uns lehren, daß die Weltgeschichte nicht mehr— wenn überhaupt jemals — das ausschließliche Werk der Herren ist, sondern Massenwirkung, allerdings nicht formloser, sondern bis ins kleinste organisierter, differenzierter und integrierter Massen. Daß wir Juden weit mehr zur Differenzierung als zur Integrierung neigen, brauche ich wohl nicht zu erläutern. Und hierin liegt unsre Schwäche, die oft schon eine Gefahr für unsre Idee zu werden drohte und es noch viel mehr sein wird, wenn, wie wir hoffen, der Friedensschluß uns um einen gehörigen Ruck der Verwirklichung unsrer Sehnsucht näher bringen wird. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als ob der jüdische Individualismus — in des Wortes schlimmer Bedeutung — jetzt mehr blüht denn je, und daß ge-

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