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Der jüdische Student · 1918-06-01 · Heft 1-2 (Juni 1918) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
15 (1918-1919)
Issue
Heft 1-2 (Juni 1918)
Date
1918-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 Rosenthaf, Ist unser Korporationsleben wirklich reformbedürftig? rade die Forderungen und Wünsche der Blau-Weißen dafür symptomatisch sind. Daß jemand ein gut unterrichteter und begeisterter Zionist ist, genügt mir nicht, er soll gehorchen, sich der Idee unterwerfen lernen, nicht aus Kadavergehorsam, sondern aus Erkenntnis, und darum frei, nr soll lernen, den Posten, den größere Einsicht ihm zuweist, voll und gern auszufüllen, auch wenn er lieber wo anders stehen möchte. Was er als Schüler getrieben, mag noch so gut sein, als Student tritt er auf aen Platz, auf dem man das Haus seines Volkes mörtelt. Da hat er zunächst Handlanger zu sein. Auch der Ingenieur beginnt am Schraubstock. Die Grade in der Korporation sollen das Maß der Verantwortung darstellen, die man auf seine Schultern legt. Und diese Verantwortung hat er zu tragen bis an die äußerste Grenze, die häusliche Abhängigkeit und wirtschaftliche Verhältnisse ihm ziehen. Viel zu egozentrisch wird von einer großen Schar von uns die Wiedergeburt des jüdischen Volkes betrachtet. Gewiß, es mag nicht ganz leicht sein, wie Mose aus der Ferne das Land der Verheißung, um das man das öpfer eines Lebens brachte, zu sehen und dann sterben zu gehen, zu arbeiten und zu streben, wissend, daß man die Bäume, die man pflanzte, nicht Früchte tragen sehen wird. Wir sind die Saat und nach uns kommt die Ernte. Wir werden das heilige Land erobern* aber nicht es besitzen. Das sei unser Schmerz und unsre Freude. Und gerade das K. J. V. ist bestimmt, diesen Stoßtrupp heranzuziehen und der Organisation ein Instrument in die Hand zu geben, auf das es mit absoluter Sicherheit rechnen kann. — Das Arbeitsgebiet des Zionismus nach dem Kriege wird ungeheuer sein, im Galuth und, so hoff ich, vor allem in Palästina. Dann wird es sich' zeigen, ob wir reif sind für die Größe unsrer Aufgabe, ob wir Begeisterung in stäliTharten Willen umzuschmelzen vermögen. — Es kommt die Zeit, da nur die Tat gilt, da man für das Wort keinen Pfifferling gibt, der Alltag mit seinem grauen Einerlei höhere Anforderungen an unsre Spannkraft stellt, als sich an Worten zu berauschen. Dann soll das K. J. V. am Platz sein, nicht als £ine lose Vereinigung „guter" Zionisten, sondern als eine unerschöpfliche Quelle aus der die Leitung Männer holen kann, die den Posten ausfüllen, den man ihnen anvertraut. Durch straffe Disziplin muß diese Entwicklung gewährleistet sein und ich sehe dazu kein andres sicheres Mittel als die Klassifizierung. Man wird die Zahl der erforderlichen Semester nur grundsätzlich festlegen, und im» Einzelfall davon abweichen, wenn es angebracht ist. Man wird gut tun, die Füxe mehr als früher zu den Beratungen heranzuziehen, aber die Entscheidung muß. in der Hand derjenigen bleiben, die mehr besitzen als eine ungetrübte Unbefangenhe:r. — Man stelle sich doch vor: das Ueberweisungsressort regelt aües auf das beste und wenn das Semester beginnt, sitzt das Gros in Berlin, weil dort der Strom des jüdischen Lebens am reichsten sprudelt, und in Heidelberg, Freiburg, Frankfurt usw. sitzen ein paar Leute, die eifrig keilen und plötzlich von ihrer stimmberechtigten Fuxenkorona terrorisiert werden. Wer will da einen Bundesbruder für den Geist in seiner Verbindung verantwortlich machen?

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