Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 15 (1918-1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Juni 1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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' / RosentßaC Ist unser Korporationsleben wirklich reformbedürftig;? 9 examen gestellten Ansprüche immer geringer werden. Jedenfalls würde ich zur Systematisierung der jüdischen Kenntnisse dieser erwähnten Bundesbrüder Kurse empfehlen, an denen jeder von ihnen ohne wirkliche Üeberlastung teilnehmen könnte. Schwieriger noch ist das Problem hinsichtlich der ohne jüdische Vorkenntnisse auf Grund der bekannten Keilmethoden zu uns kommenden Fiixe, die uns durch den Krieg sofort entzogen werden. Hier möchte ich eine sorgfältige Fuxenerziehung nicht missen; vielleicht daß sie, natürlich von einem älteren Bundesbruder geleitet, getrennt von der Erziehung der jüngsten Füxe vor sich gehen könnte; das Vorhandensein mehrerer Kartellverbindungen an einem Orte würde diese Entwicklung vielleicht begünstigen. Die Frage, inwieweit überhaupt eine Aktivität für andere Bundesbrüder, die das Kartell nicht kennen gelernt haben, erwünscht ist, ist ist gewiß noch offen; mir, kam es nur darauf an zu zeigen, daß in dieser Beziehung unterschiedlich verfahren werden muß. Ist un^er Korporationsleben wirklich reformbedürftig? Von Kurt Rosenthal (Ruder-V. J. St und V. J. St. Berlin A, HL). Erich Cohn und Goldenberg halten es, ausgehend von der Blau-Weiß - Frage, für erforderlich, die Formen unsres Zusammenlebens einer ernsthaften Revision zu unterziehen, nicht mit Rücksicht auf die Blau-Weißen, wie Erich Cohn ausdrücklich betont, sondern aus der Erkenntnis innerer Notwendigkeit. Daß dies bei grundlegenden Veränderungen der einzig mögliche Gesichtspunkt ist, ist eigentlich selbstverständlich. Trotzdem gibt es manche, die einem Keilfuxen zulieb gern altbewährte Pfeiler aus dem Bau brechen. Mit diesen läßt sich nicht rechten. Unsere Korporationsformen sind nicht sakrosankt, keineswegs. Wir haben sie übernommen, einfach in Ermanglung eigner, und versucht, ohne jede Pietät sie uns zurecht zu schnitzen, sie mit eigenem jüdischen Leben zu erfüllen, wie man so schön sagt. Daß wir aus den deutsch-studentischen Formen nur zu verschwindend kleinem Teile jüdische Formen zu schaffen verstanden haben, läßt sich nicht leugnen. Müssen wir darum abbauen und was setzen wir an die Stelle? Ganz ohne Formen kommen wir als Gemeinschaft mit fest umrissenen Zielen doch nicht aus; ein loses Rudel Menschen mag sich persönlich wohlfühlen; der Idee, in deren Dienst wir stehen, dürfte damit nicht gedient sein. An der deutschen Form bei uns sich zu stoßen, hat der Blau-Weiß, wie Erich Cohn hervorhebt, wahrlich keinen Grund. — Die ganze Diskussion bei Erörterung dieser Fragen hat sich nicht frei machen können von dem m. E. völlig schiefen Gesichtswinkel, aus dem die Blau-Weißen unsre Korporationsformen zu betrachten beliebten. Was ist uns die Korporation? Was sind ihre Zwecke und Ziele? Darauf müssen wir uns klar antworten, bevor wir an eine Veränderung?