Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student Vateh eins immer mehr mein Denken und Streben ausfüllt, das Jude sein'. Noch nie habe ich es so gefühlt und gewußt, wie jetzt im Kriege, und nach dem Kriege will ich es beweisen/' „.Wenn jemand einen Blick getan hat in die furchtbaren Leiden und das namenlose Elend unseres Volkes, dann kann er nicht mehr spielend und tändelnd durchs Leben gehen." „Für mich steht noch das eine fest: für uns fJ-uden beginnt der eigentliche Kampf, wenn der Krieg zu Ende ist. So bleiben wie bisher kann es nicht, das ist sicher. Mein Standpunkt steht fest, ich habe mich noch nie so als Jude gefühlt wie jetzt." „Das Resultat dieser .Selbstpmfttng ist für vnich völlige Klarheit des Zieles, das ich erstrebe, und des Weges, den ich zu gehen hlbe und den ich unbeirrbar gehen* werde." Aus seinen Briefen geht auch die zärtliche, echt jüdische Liebe hervor, mit der er ,an seinen Eltern und Schwestern gehangen. Wunderschön sind die Briefe, die er zu den Feiertagen an seine Angehörigen schrieb. Als Mensch war er überall oelieb*, er war ein geistvoller Gesellschafter und War besonders im Kreise der Bundesbrüder gern gesehen, für die es immer ein Fest bedeutete, wenn Fritz Nothmann auf Urlaub kam. Bundesbruder Jacobson, mit dem er häufig zusammen war, marschierte vierundzwanzig. Stunden, um ihn eine halbe Stunde sprechen zu können, .und schrieb: „Die Stunden bei [Dir sind für mich Sonnenblicke, die uns vorwärts und rückwärts leuchten " Es braucht nicht erst betont zu werden, wie schwer Uns Bundessbrüder sein Verlust trifft Eine ganze, harmonische, vornehme jüdische Persönlichkeit ist mit ihm dahingegangen. Ehre seinem Andenken! Max Poppelauer Im Sommer 1916 lernte (ich Max Poppelauer als Keilfuxen kennen. Er stand vor seinem Notabiturium. Auf langen Spaziergängen, an denen sich auch oft andere Keilfüxe," die jetzt schon Bundesbrüder sind, beteiligten^ entwickelte er mjr seine Gedanken über Zionismus, über Judentum, über Philosophie. Ich staunte über seinen Gedankenreichtüm, in dem sich zwar, aus Mangel an Uebung, kein System zeigte; aber was er über Zinoismus sagte, mir, der ich ihn beiehren sollte, zeigte mir, wie intensiv er sich diese Probleme hatte durch den Kopf gehen lassen. Und unsere Aussprachen bewiesen ihm und mir, daß er zu ums gehörte, noch ehe er die Schule verließ. Nach seinem Abiturium wurde er eingezogen und wurde in der V. J. St. Breslau aktiv. Bald kam er ins Feld. Die Briefe, die ich von ihm erhielt, zeigten mir, daß