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Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 68)
Language
German
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68 Der Jüdische Student «da er den Kopf voller Pläne trug, und als V. J. St.-er sie nicht durchführen zu können glaubte. Dieser Zug kennzeichnete ihn überhaupt. Er ging immer iseine 'eigenen Wege, die zuweilen die Billigung der anderen nicht fanden. Bemerkenswert aber war, daß" er jeden Vorsatz mit außerordentlicher Gründlichkeit und Konsequenz bis zum Ende führte und so im besten Sinne als Vorbild diente. Bereits als Abiturient trug ei sich mit der Absicht, .einen jüdischen Turn- - verein zu gründen; er war erfüllt vom Gedanken der körperlichen Regeneration des jüdischen 'Volkes und durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die nahe Berührung mit der Natur dem Menschen hohe ethische und ästhetische Werte vermittelt. So wandte er sich dem Rudersport und dem Schneeschuhlaufen zu und brachte es in beiden körperlichen Uebungen, obwohl er besonders bei letzterer ganz auf sich gestellt war, zu einem hohen, nicht alltäglichen Grade der Vollkommenheit. Er bewertete die körperliche Ausbildung der iBundesbrüder so hoch, daßr er in seinem Testament auch den Berliner Ruderverein bedachte. Die Liebe zur Natur und der Trieb, fremde Länder und Menschen und ihre Sitten kennen zu lernen und dadurch seinen Blick zu weiten, veranlaßtc ihn zu weiten Reisen. Wohl noch Gymnasiast, hat er eine große Alpenfahrt gemacht nach seinem Staatsexamen war er in Argentinien und verfolgte sogar den Gedanken, sich dort einige Jahre aufzuhalten. Und doch ist er nicht etwa im Aeußerlichen stecken geblieben, fjr konnteden grübelnden, philosophischen Grundzug seines Wesens riie verleugnen. Gerade durch die Wertschätzung des Konnexes mit der Natur und die Pflege der körperlichen Fähigkeiten erlangte er eine hohe Elastizität des Oeistes und Reinheit und Höhe der Weltanschauung. Seine ungewöhnlichen wissenschaftlichen Fähigkeiten Wurden Von Btmdesbrüdern und [Außenstehenden sehr hoch eingeschätzt, er hat dort bei weitem den Durchschnitt überragt, im Felde hat er, der Mediziner, mit der Vollendung einer nationalökonomisch-jüdischen Arbeit sich beschäftigt. Auch für die Kunst, besonders für die Literatur, besaß er fein starkes Interesse, und ästhetische Gesichtspunkte haben in seinem Leben stets eine große Rolle gespielt. Wenn in seinem Leben bis dahin ein gewisses Tasten und Suchein lag, so erfolgte die Konzentration aller seiner. Anlagen und Ideen auf das eine, das jüdische Ziel durch den Krieg. Und das ist gerade -das Schmerzliche, das Tragische, daß: derselbe Krieg, der ihm «die Geschlossenheit und einheitliche Willensrichtung brachte, ihn aus unserem Kreise gerissen hat. Die furchtbaren Leiden des Jüdischen Volkes, die er in Polen sehen mußte, haben seine Seele zur jüdischen Tat angespornt. Im Felde ist sein Plan gereift, „Zunächst einmal vorübergehend nach Palästina überzusiedeln; In "Briefen an seine Angehörigen hat er sich darüber ausgesprochen1: „„Doch etwas will ich Dir noch besonders versichern, daß, liebe's

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