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Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 60)
Language
German
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60 Der Jüdische Student - Ausdruck kommen. Oeswegen lehne ich die Vorschläge Lelewers als gefährlich und falsch ab. Was geschieht mit den Versagern? Die Praktik, die bisher geübt worden ist, nämlich Alte Herren, die objektiv ohne ihre Schuld versagt haben, weil an ihnen eine unzulängliche Erziehung geübt worden ist,, zu. amputieren, kann ich nicht billigen. Alle Richtungen sind so vorgegangen. Ich glaube, es ist notwendig, daß das Kartell und besonders <jfje Jugend darüber klar werden, daß; es möglich sein muß, viele Alte Herren, zu erhalten. Wenn Blumenfeld behauptet, daß es gewisse Punkte gibt, in <;krien Jugend und Alter sich nicht verstehen können* so muß man dann eben eine höhere Einheit des Zusammenwirkens, über Verstehen hinweg Uebe walten lassen. Ich muß diese Mahnung sowohl an die }ugend9. als auch an das Alter richten. Es gibt nicht nur eine Ueberheblichkeit der Jugend, sondern auch eine des Alters, die viel schlimmer ist. Ich habe sehr oft erlebt, daß Alte Herren, weil sie festgestellt haben, daß sie die Jugend nicht mehr verstehen können, sagen, die Jugend könne über gewisse Dinge nicht mitsprechen, das verständen nur die Aelteren. Lelewer hat gesagt, es gäbe bestimmte Gegenstände, die nur von einer Alt-Herren-Tagung besprochen werden könnten. Er hat sehr wenige konkrete Dinge genannt. Es gibt höchstens zwei: Mischehe und die Erörterung politischer Dinge. Für die Mischehe scheint beinahe selbstverständliche Zustimmung im Kartell zu herrschen. Ich glaube aber, daß gerade auch diese Frage prinzipiell vor den Gesamtkartelitag, auch vor die Jungen gehört. Sonst wird sich da ein unüberbrückbarer Spalt bilden. Die Jugend mit ihrer stärkeren Intensität, mit ihrer geringeren persönlichen Berührtheit, findet sehr oft die richtigere Entscheidung; ein Radikalismus, der in solchen Dingen von der Jugend ausgeht, kann sehr oft neue Wege weisen. Der Einzelfall muß von der Alt-Herrenschaft entschieden Verden. Der zweite Gegenstand: die Beschäftigung mit politischen Dingen, Auch da stehe ich auf dem' Standpunkt, daß es ganz falsch ist, die Jugend davon auszuschließen. Es ist gar nicht möglich, die Jugend auszuschließen,, ja, wir können uns eine Jugend gar nicht wünschen, die sich nicht mit diesen Dingen beschäftigt, wir hätten es uns ja auch nicht verbieten lassen. .Lelewer schlägt einen Alten Herrn-J. St. vor. Sollen die Jungen den nicht lesen dürfen? Wenn sie ihn aber lesen, haben sie ja Kenntnis1 von den Dingen. Das erinnert etwas an die Prüderie bei der sexuellen Aufklärung. Welches sind die Aufgaben der Alten Herren? Bisher ist nur gesagt worden, Einhaltung der äußeren Verpflichtungen, Teilnahme an der Kartellarbeii, Teilnahme an der zionistischen Arbeit, usw. Es gibt sicher eine Reihe von Bundesbrüdern, deren persönliche Konstruktion derartig geartet ist, daß sie sich für derartige Betätigungen nicht eignen. Aber, es gibt auch Aufgaben und Arbeiten, die wirklich jeder erfüllen kann und muß. Es gibt Dinge, nicht nur aktiver Verpflichtung, sondern auch passiver Verpflichtung. * Ich meine die passive Mitgliedschaft an allen nationaljüdischen Gründungen, Vereinen, Sammlungen usw. Es muß selbstverständlich sein, daß jeder K. J. V.-Alte Herr im Turnverein, Blau-Weiß usw*-

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