Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Der Jüdische Student '.kommen, usw. An jüdischer Arbeit braucht ,es dem Alten Herren keineswegs zu mangeln, wenn er nur Lust hat. Die jüdische Arbeit ist aber nicht das einzige. Nur der" kann wirklich zionistisch arbeiten, der sich selbst immer und immer wieder erzieht, der sich ständig weiterbildet, der nicht nur ständig informiert sein muß, sondern sich auch ständig innerlich weiterbilden muß. Er hat die Aufgabe, sich so frisch zu erhalten, als ob die Quelle noch immer neben ihm fließt. Wenn der Alte Herr diese Tätigkeit auch im schärfsten Berufskampf nicht aufgibt, wenn er es nicht aufgibt, sich andauernd mit jüdischen Dingen stark zu beschäftigen, dann wird das Alte-Herrenproblem' gar nicht eintreten, dann wird er vielleicht etwas unorientiert bleiben, aber seine innere Beziehung zu den Dingen wird sich nicht ändern. Nun taucht die Frage auf, gibt es Aufgaben der Alten Herren, die .muht gleichzeitig Aufgaben der Jüngeren sind? Ich bestreite das entschieden. Es gibt keinen Unterschied zwischen Alten und Jungen bei uns, als in äußerer Beziehung (der Junge steht in der Korporation), aber nicht, daß seine Aufgaben andere sein dürfen. Ich verstehe nicht, wie man sagen kann, daß es einen Zlonisten gibt, dem die Frage niatioaijaler Jugenderziehung gleichgültig sein darf. Unsere Hauptaufgabe, die Hauptaufgabe aller Zionisten, ist doch die Erziehung der nächsten Generation. Das sind Alte Herren, die unserem Erziehungsideal nicht entsprechen. Es ist nicht möglich, und ich glaube es nicht, daß. es wirklich Alte Herren jgibt, die der Frage der Jugendarbeit interesselos gegenüberstehen. Es gibt doch nichts, was mehr reizen kann, als Erziehungsarbeit zu leisten. Die Besten sollen diese Arbeit leisten. Und dasi wird und muß ja auch für den Alten Herren der Provinz das sein, was ihn am meisten reizen und anziehen kann. Der Kartelltag ist die Instanz, auf der sich die Alten und jungen mit diesen Dingen befassen müssen. kh gebe zu, daß es gewisse Fragen geben mag, wo es der Takt de« jüngeren verbieten soll, mitzureden. Eine dieser Fragen ist die Misch- . ehen-Frage. Ueber diese Frage als solche soll freilich auch der jüngste mitsprechen, der die Bedeutung der Mischehe als einer Erscheinungsform der Assimilation erkannt hat. ■ Das' Problem« aber, wie wir uns zu einem Alten Herrn stellen, der eine Mischehe eingeht, das! ist ein Problem, das die Aktiven nicht miterörtern sollen. Ich sehe die Notwendigkeit der Schaffung einer Instanz, wo Alte Herren sich über gewisse Fragen unter sich aussprechen können. Auch gehören hierzu Berufsfragen, z. B. die Frage der Assoziierung mit getauften Juden usw. Im übrigen werden alle Fragen jüdischer und zionistischer Arbeit nicht Aufgaben der Alten Herren sein, sondern Aufgaben des K. J. V. Die von Lelewer ins Auge gefaßte Lösung will also praktisch die Teilung des Kartells in zwei Teile, in ein Kartell der Alten und eins der Jungen. Das ist nicht möglich, denn in 'kurzer Zeit würden daraus zwei Kartelle entstehen, die Arbeit eines jeden wird beeinträchtigt werden und die Alten Herren werden immer mehr im Philistertum, aufgehen. Denn alle .diese Klagen über die Taktlosigkeit der Jungen sind ja imi letzten Grunde