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Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 43)
Language
German
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Der Jüdische Student 43 Gestern abend war eine Reihe junger Juden in Leipzig beisammen* ixm über die Grundlagen unserer Bewegung zu sprechen. Btelu-Weiße waren da und Bundesbrüder, Helferinnen des Volksheims und Mitglieder des zionistischen Jugendvereins. Und dann, in der Diskussion, da sprach ein älterer Zionist von der Widersinnigkeit des jüdischen Auserwähltheitsgedanken. Und da ist es wie ein Ruck durch uns alle gegangen, wir wußten daß' jedem an etwas getastet war, was ihm heilig war. Und dann hat einer nach dem anderen ausgesprochen, daß hier und gerade hier die Grundläge unserer. Bewegung liege. Und noch ein anderes sprach aus allen: Wenn der Deutsche singt: „Deutschland über alles", so meint das auch eine Auserwähltheit. Aber diese heißt: „auserwählt von, aus . . Die jüdische Auserwähltheit meint: „auserwählt zu . . ., um der Aufgabe willen.** Dies Bewußtsein sprach gestern aus allen und jedem1, wie es einst aus der Forderung des „am kadosch" gesprochen hatte. Ein Jahr der Entwicklung. Diesen hier hatte niemand einen Weg gewiesen und sie hatten ihn doch gefunden. Noch eins aber kommt dazu: Die Tatsache dieses Krieges, die Tatsache, daß sich 12 Millionen Menschen gemordet haben, die Tatsache, daß dieses unaussprechliche Unglück nicht hervorgegangen ist aus einer zufälligen Verkettung äußerer Umstände, sondern daß die Wurzel tief liegt in der Krankheit des Menschheitsikörpers und daß diese Katastrophe wiederkehren muß, wenn die Krankheit nicht beseitigt wird, das ist uns zum Erlebnis geworden. Wir wissen, daß auch an uns aie Frage gestellt ist, was wir tun wollen, umi dieser Heilung willen. Wir wissen, aber auch, daß es nur einen Weg gibt zu dieser Heilung: den Weg unserer Bewegung, aiur eine Möglichkeit, das Beispiel des Volks, dasi seine Erneuerung verwirklicht. Nicht daß unser jüdischer Nationalismus aus dieser Aufgabe seine Daseinsberechtigung herleitete. Aber weil unser National 1 is m u s jüdisch ist, d a r uim ist i hm aus seinem innersten iWesen heraus die Aufgabe gestellt. Weil wir Jungen uns aber dieser Aufgabe bewußt geworden sind, darum bedeutet der Weg nach Palästina uns keine Frage mehr. Palästinia bedeutet uns nicht Maximal-, sondern Minimalprogramm, nicht Ende, sondern Anfang, nicht Erfüllung, sondern erste Voraussetzung zur Möglichkeit der Erfüllung.. Wir Jungen wissen aber auch, daß, man eine Forderung immer nur .an ,,s i c h" stellen darf. Nur weil wir uns der Einheit von Willen und Einstellung, die durch die ganze jüngste Generation hindurchgeht bewußt sind, dürfen wir die Forderung „an uns" stellen. Von der älteren Generation fordern wir nichts, weil wir hier nicht fordern können. Wir wissen, daß die Generationen van 1897 und 1907 nicht versagt haben, daß sie höchst lebendig sind in1 uns, in der Generation von 1917. Weil wir das erkennen, daß erst wir, und nur auf den Schultern derer von 97 und 1907, die Schwelle dieser Aufgabe überschritten haben, darum gilt die Forderung auch nur für uns.

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