Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537721-3537728--4157-3541902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 Der jüdische Student weit er dazu verpflichtet ist. Die Gegensätzlichkeit zwischen Blau-Weiß und K. J. V. liegt im wesentlichen auf einem' Gebiet, das sich als Gegensatz zwischen Stehkragen und Schillerkragen bezeichnen läßt. Für uns sind die neuen lebensreformerischen Bestrebungen nicht so wichtig, wir bringen ihnen nicht soviel Interesse entgegen wie ein Teil der Blau-Weißen. Sie dürfen für uns auch nicht wesentlich sein; es ist eine deutsch-nationale Jugendbewegung, und jeder Ostjude würde ihr verständnislos gegenüberstehen müssen. Der Blau-Weiß, wird zu beachten haben, daß diese Dinge nicht für ihn die entscheidenden werden. Wir müssen auch berücksichtigen, daß der Blau-Weiß die Jugendbewegung zwar zuerst gemacht .hat und heute allein von Bedeutung ist, daß das aber wohl nicht so bleiben wird. Nach dem Kriege wird es eine große Sportbewegung geben, sie wird schon deswegen zu beachten sein, weil der Sport eine national-neutrale Sache ist. Es ist wichtig, daß diese Kreise nicht den Anschluß verlieren, damit auch sie der Erziehung zu den großen Forderungen unterworfen werden, die notwendig ist. Einigkeit über die Bedeutung der Korporation herrscht bis auf •die Blau-Weißen, die sich aus den erwähnten Stimmungen heraus noch nicht mit der Korporation abfinden konnten. Gerade zu den Ruderern, die als die Antipoden des Blau-Weiß betrachtet wurden, besteht kein Gegensatz. Wir haben im Blau-Weiß begrüßt, daß er seinen Leuten das Gefühl der lebendigen, jüdischen Verbundenheit gab, was wir auch in der Korpovation wünschen wollten. Ich glaube, daß die Schwierigkeiten nicht so erheblich sind. Das Leben der Korporation kann sich nach den Leuten richten, die ihr angehören. Auch wir Ruderer haben, bei starker Wahrung des korporativen Geistes, ein Korporationsleben geführt, das sich von dem bisherigen unterschied. Daß wesentliche Unterschiede der Generation vorliegen, glaube ich nicht. Es ist so, wie mit dem vorhin erwähnten Unterschied zwischen B. J. C.er und K. Z. V.er. Ich bin auch hier nicht mehr der Ansicht, daß es wesentliche Unterschiede gab, sondern man wird jetzt wohl erkennen, daß der Unterschied nur markiert war, um die tatsächliche Differenzierung zu rechtfertigen. Was den Blau-Weiß von uns unterscheidet, sind nicht Sachen, auf diö es ankommt oder ankommen darf. Ich halte es für wesentlich, daß die Gedanken von Blumenfeld im Blau- Weiß als richtig anerkannt werden. Aber auch wir müssen uns vor Geringschätzung hüten und müssen viel stärker an der Durchsetzung des Korporationsgedankens arbeiten. Wichtig wird daher eine bessere Auswahl sein. Ich bin der Ansicht, daß wir bisher viel zu wenig Leute hinausgeworren haben. Wir müssen kommen zu einer ethischen Auslese, auf die Blumenfeld und Wunderlich hingewiesen haben. Ich möchte aber in diesem Zusammenhange sagen, daß die Geringschätzung des politischen Menschen, die Wunderlich zum Ausdruck gebracht hat, zu verwerfen ist. Es ist Zeit, es einmal auszusprechen, daß wir die Menschen brauchen, die die Fähigkeiten und den Willen haben, politische Entscheidungen herbeizuführen. Diese Menschen sind von dem starken Idealismus getragen, den, wir brauchen. Gegenüber Wunderlich ist audh zu sagen, daß die korporative Gesinnung auch keine Ablehnung der zionistischen Entwicklang enthält. ~ Wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.