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Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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38 Der Jüdische Student der Blau-Weiß, der anscheinend so geschlossen, mit bestimmten Forderungen und Ansichten . dem K. J. V. entgegentritt, ist der Mehrzahl der Bundesbrüder unheimlich; sie mißtrauen ihm aus ihrer Unkenntnis der Verhältnisse heraus und konstruieren deshalb Gegensätze, während, wie ich schon zu Beginn der heutigen Sitzung ausführte, doch höchstens graduelle Unterschiede, Unterschiede der Entwicklung bestehen.?- Der Blau-Weiß ist wirklich nicht gefährlich. Er ist eine Gemeinschaft von jungen Menschen, die miteinander wandern, schwimmen, singen, spielen, die untereinander ihre Fragen erörtern, aie miteinander leben und lernen und sich deswegen herzlich lieb haben. Der Wanderbund ist keine Korporation mit einem! Programm, dem man sich — vielleicht hier und da mit inneren Vorbehalten — zu fügen hat. Er stellt sich lediglich eine menschliche Aufgabe, nämlich die, junge Menschen zu erziehen, freilich in dem Bewußtsein, daß er damit eine eminent jüdische Arbeit erfüllt. Wie er das tut, ist seine Sache; aber Ihr werdet einsehen, daß man junge Bäumchen nicht zu fest anfassen darf, will man sie biegen: sie möchten sonst brechen. Im K.-J. V. wirkt neben der Persönlichkeit der mit der Erziehung Betrauten das auf Disziplin aufgebaute System der Korporation: im« Blau-Weiß ist es nur der Führer, der beeinflussen kann und nur er — weniger durch das, was er tut und sagt, als duircjhi jdjas, was er ist, durch sein Vorbild. Das bedeutet aber nicht, daß esi den tWanderern freigestellt ist, sich unterzuordnen oder nicht, das bedeutet keine „Wahldisziplin", wie sie Meyer vorzuschweben scheint. Ich glaube flicht, daß es im K. J. V. eine Macht gibt oder geben kann, wie die des Führers in seinem Zuge; der Führer ist Herr über Herz und Hand seiner Wanderer, die seine Gefolgschaft, eine enge Gemeinschaft bilden innerhalb derer sein Wille und Wort ausschlaggebend ist. Der Blau-Weiße lernt es, sich einzufügen, und gibt keine Verbindung, die mit solcher Folgerichtigkeit Leute, die nicht hineinpassen,, ausscheidet, wie irgend ein Zug des Blau-Weiß. Der Blau-Weiße, der ja Zionist mit der überschwenglichen Hingabe ist, die der Jugend als ihr bestes Gut eignet, wird es verstehen, sich dem K. J. V. einzupassen, sobald er eingesehen hat, daß der Platz des zionistischen Akademikers innerhalb ües Kartells ist. Denn unsere Wanderer treten in aller Ehrfurcht an die Dinge heran und sind schon zufrieden, wenn sie* fühlen, daß ihr heiligstes Sehnen und Wollen irgendwie Verständnis und Unterstützung findet. Sie werdeiT sich nicht durch die Formen des K. J. V. abhalten lassen, aktiv zu werden; freilich werden sich viele dieser Formen allmählich unter ihrem wachsenden Einfluß ändern. Aber sie werden gewiß nicht, wie Meyer die Abschaffung der Satisfaktion verlangen, denn sie wurden im Blau-Weiß daran gewöhnt, sich nichts gefallen zu lassen, und auf Beleidigungen scharf zu reagieren; da sofortige Selbsthilfe leider nicht angängig ist, werden sie sich wohl auch mit den widrigen Formalitäten des Paukkomments abiinden. Der Blau-Weiße wird also K. J. V.er werden und wird freilich im K. J. V. Befriedigung seines Bedürfnisses nach engster Gemeinschaft suchen und

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