Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 37 versteht nicht den Kern der Sache —, sondern um die Wertung des Kampfes, umi Anerkennung des „Rechtes" des Stärkeren handelt es sich. Die deutsche Mensur ist in ihrer nahen Beziehung zum mittelalterlichen Gottesgericht, zum Glauben, daß wo Macht sei, auch Recht sein müsse, de*ni jüdischen Wert- und Rechtsempfinden direkt entgegegesetzt. Wenn wir, wie Blumenfeld sagt, danach streben sollen, daß unser Korporationsleben selbst jüdisch werde und von jüdischem Geist getragen sei, so wirkt die Satisfaktion als krassester Widerspruch zu diesem Programm'. Fragt die Ostjuden, fragt jeden, der sich noch etwas jüdisches Empfinden, ganz frei von ghettohafter Aengstlichkeit, bewahrt hat! Die Satisfaktion ist krasseste Assimilation. Sie steht in einer Reihe mit Taufe und Mischehe. Ob ich den fremden Glauben aus äußeren*Gründen oder das fremde Recht, die fremde Sitte aus ebenso äußerlichen Gründen anerkenne, das ist ganz gleich — verwerflich. Das es ganz absurd ist, in einer Zeit, wo der größte Teil der deutschen Studentenschaft selbst die Satisfaktion ablehnt, als nationaljüdische Korporation die Wertungen des germanischen Ideals zu pflegen und hochzuhalten, das sollte wohl jedem klar sein. Wollt Ihr wirklich zeigen, daß Ihr tapfer seid, aber daß Ihr als Juden tapfer seid, so verbietet die unbedingte Satisfaktion. Schade, daß das gar nicht mehr so schlimm wirken wird! Schade, daß wir gar nicht mehr für die Durchsetzung unserer jüdischen Wertung werden zu kämpfen und ziu leiden haben! Unsere jüdische Erziehung fordert Ganzheit. Dient nicht fremden Göttern! Wielange werdet ihr noch nach beiden Seiten hinken? Daß die K. J. V.-Erziehung sehr verbesserungsbedürftig ist, ist klar. Es fragt sich nur, ob die Wege, die Blumenfeld ihr weist, die richtigen sind. Würde sie nämlich durchgeführt — und Blumenfeld gibt uns nie das Mittel an, wie iman Menschen den Willen und die geistige Reife dazu beibringen kann — so nähme sie dem Studenten seine gesamte Zeit fort. Ganz besonders das Hebräischlernen ist außerordentlich zeitraubend. Diese Art radikaler Erziehung mag sicherlich richtig und einzig möglich sein iür Leute, die nach Palästina gehen. Es ist aber ein Trugschluß, wenn Blumenfeld sagt, die in Galuth bleibenden Zionisten müßten dieselbe Erziehung haben wie aie Palästinenser, damit sie den Anschluß nicht verlieren, damit sie sich palästinozentrisch entwickeln. Dort in Palästina nämlich ist der Beruf ein Stück Zionismus, hier in Galuth nicht. Diese Gefahr der Berufs« enrfremdung ist die schwerste Frage der Korporationserziehung. Schaffen wir kein geistiges Zionistenproletariat! Hier liegt aer Aufgabenkreis künftiger Debatten. Das Ziel sehen wir, suchen wir aen Weg! Egon Rosenberg weist auf die Rosenkranz-Stiftung hin. / Karl Glaser: Die vorgeschrittene Stunde gestattet es bereits, ein Urteil über den Verlauf der heutigen Debatte zu fällen. Sie hat mich nicht recht befriedigt, so sehr ich auch mit dem praktischen Ergebnis, das in der fast einmütigen Ablehnung des Vorschlags einer Blau-Weiß* Korporation besteht, einverstanden bin. — Ich habe den Eindruck, daß heute viel kluge Reden gehalten worden sind, daß aber außer Blumenfeld* kaum ein Nicht-Blau-Weißer dem Bläu-Weiß gerecht wurde. Das Neue*