Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537721-3537728--4153-3541898
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

36 Der Jüdische Student legung ergibt sich, daß Blau-Weiß und K. J. V. Sonderaufgaben innerhalb der großen allgemeinen Aufgabe der jüdischen, Erziehung zu loren haben, iun;l daß somit die Erziehungsmethoden von Blau-Weiß Und K.J.V. nicht die gleichem sein, können, so gewiß es eben Sonderaufgaben sind, daß sie aber prinzipiell nicht voneinander zu trennen sind, so gewiß beide einer und derselben Bedingung, nämlich jüdische Jugenderziehung zu sein, genügen müssen. Nur die Gruppen innerhalb beider Verbände, die dem Erziehungsgedanken nicht seine gebührende Stelle einräumen wollen, d. h. die üßertriebenen Romantiker im Blau-Weiß und die verbohrten Korpsstudenten im K. J, V.,werden sich nicht verstehen können. Die Verdrängung ethischer Gefühlskomplexe auf die Verdauungssphäre hat in beiden Lagern Unheil angerichtet. Eine Kneipe ist kein Unglück, kein Verbrechen, sie ist aber auf der anderen Seite keine Heldentat, keine Erziehungsieistung. Hier, auf diesem zu Unrecht heiß umstrittenen Gebiete, wird und muß es zu einer Einigung kommen. Doch kommen wir zu den Punkten, wo sich das K. J. V. beträchtlich ändern muß, nicht infolge äußerlich herangebrachter Forderungen, sondern um der Sache willen. Es ist dem Blau-Weiß vorgeworfen worden, er erziiehe nicht zur Disziplin. Ich muß diesen Vorwurf als tatsächlich falsch zurückweisen. Aber ist nun die Disiziplinerziehung im K.J.V. von Fehlern frei? Schon bei Berührung des. Kneipkomments Vätte ich auf das Unsinnige der Disziplinerziehung im K. J. V. hinweisen! können. Ich meine das sinnlose Fordern der Disziplin um der Disziplin willen. Diese Methode erinnert lebhaft an das Taylorsystem, gegen das Max Brod im Juden im Namen des Geistes; ,sich wendet. Disziplin muß stets einen Sinn haben, stets gerechtfertigt sein. Ich bitte mich iiichii mißzuverstehen. Ich meine nicht, daß im Einzelfall der, dem ein Befehl erteilt wird, das Recht hat, sich nach den Gründen zu erkundigen, aber der Chargierte muß sich seiner Verantwortung stets bewußt sein, und später, am richtigen Ort, auf dem Konvent, über seine Anordnungen Rechenschaft geben können. In dieser Verantwortung für die Disziplin und dieser Ablehnung des sinnlosen Komimandierensi scheint mir der Blau- Weiß dem K. J. V. erheblich voraus zu sein. Im Streit um die Korporationsformen tritt eine Frage prinzipiell; stark hervor, die Frage der Satisfaktion. Während es sich sonst, bei Kneipe usw., nur um Reformen, Abstellung von Mißständen, handeln kann, muß das K. J. V. hier eine gründliche Neuorientierung vornehmen. Denn hier reicht wirklich das Problem in das Gebiet der Ethik und der Erziehung* hinein. Aus welchen Gründen wende ich mich gegen die Satisfaktion? Nicht aus Schlappheit oder gar aus Angst. Ich glaube vielmehr, daß die Mensur relativ harmlos und sehr bequem ist, gegenüber Folgen, die sich aus einer Ablehnung der Satisfaktion ergeben könnten. Könnten — das betone ich besonders. Die Frage ist aber so ganz falsch gestellt. Der logische Ort der Verwerflichkeit der Satisfaktion liegt gar nicht in der Mensur, sondern im Ehrengericht. Das Judentum, als Prinzip des Geistes gegenüber dem der Macht, verwirft nicht den Kampf, nicht das Blutvergießen — wer die „Geistigkeit" als Schlappheit und ödes! Aesthetentum bekämpft,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.