Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Der jüdische Student Die Umgestaltung unserer Geselligkeit und unseres Gemeinschaftslebens ist durch den Blau-Weiß dringender geworden, der weit davon entfernt ist, uns fertige Lösungen zu bringen. Macht doch die Ausgestaltung der Heimabende nicht weniger Schwierigkeiten als die Umformung der Kneipe. Nicht als ob der Blau-Weiß uns heute gegenüberträte als eine neue,, außerhalb des K. J. V, liegende Erscheinung. Auch ohne die Gründung des Blau-Weiß wären die gleichen Fragen, wenn auch langsamer, für uns bedeutungsvoll geworden. Die Entwickelung des Blau-Weiß liegt in der Linie der notwendigen Wandelung" unseres Kartells. Der-BIau-|Weiß ist eine Gründung des K. J.. V.VWasi wertvoll in ihm ist, ist iler gleiche zionistisdie^'Wille, der das K. J. V. zu einer Stätte jüdischen Lebens gemacht hat. Wir mußten uns im Kartell immer gegen die Alten Herren allmählich durchsetzen. Dem Blau-Weiß fehlt jede Belastung durch eine starke Tradition. Er leidet darunter, daß es in ihm keine einheitliche, in ernsten Kämpfen erstarkte führende Richtung gibt. Die Führer vertreten die verschiedensten Tendenzen und sind in Wirklichkeit nicht in dem Sinne Erzieher der Wanderer, .wie wir Erzieher in den Verbindungen waren,. , 5>ie alten Führer, die das Heft in der Hand hielten, sind eingezogen, und ihre jungen Nachfolger werden von den Anschauungen der Wanderer beeinflußt, die angefüllt sind mit den neuesten Ideen der deutschen Jugendbewegung. So ist im Blau-Weiß eine merkwürdige, von uns nicht vorausgesehene Stimmung gegen \das' K. J. V. entstanden. Die dem K. J. V. entstammenden Führer verloren die Haltung gegenüber den Wanderern, und den Blau-Weißen erschien das K. J. V. als die zu überwindende Einrichtung einer älteren Generation. Keinesfalls dürfen wir zulassen, daß diese Entwickelung fortschreitet und neben dem K, J.V. ein Wanderbund mit ähnlichen Aufgaben entsteht. Das K. J. V. muß die organische Fortsetzung des Blau-Weiß darstellen, und, für den Blau-Weißen mußi es ein Ziel sein, einmal K. J. V.ef werden zu dürfen.. Die Blau-Weiß-Frage ist in Wahrheit ein K. J. V.-Problem, denn von uns hängt die Führung und Entwickelung des Blau-Weiß ab. Wie die Schüler in der Jugendwehr zu Unteroffizieren befördert werden und doch wissen, daß sie irm Mannesalter sich diesen Rang nochmals err werben müssen, so muß der Blau-Weiß den Wanderern als Vorbereitung für das (wahre^Gemeinschaftsleben ihrer späteren Entwickelung im K. J.V, erscheinen, in dem ihre menschliche und politische Erziehung vollendet; wird. Bedauerlich ist es daher, daß heute, wo die Erzieher fehlen, die j frühreifen Führer, mit ihrer überspannten Selbstkritik und *dem Wust j von unverstandenen höchsten ethischen Forderungen, Einfluß gewinnen, j und daß die wenigen älteren Führer, um Einfluß zu behalten, sich jünger j machen, als sie sind, und sich mit den Kleinen auf eine Stufe stellen.! Nur Männer dürfen aber die Erzieher der -Kinder und Jünglinge sein.] Für uns komimt es heute darauf an, festzustellen, daß. die Grundlage aller korporativen Erziehung die Disziplin ist, daß die Bedeutung unserer Erziehung darin liegt, daß die Bundesbrüder durch die Disziplin lernen, wie sie sich verhalten sollen und wie sie der Gemeinschaft wertvoll