Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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Der Jüdische Student 3t Beruf des Rechtsanwalts erwählt haben. Indem ich die von Lichtheim ■gemachten Einschränkungen für die Siedeluiigsmöglichkeiten in Palästina gleichfalls akzeptiere, mache ich den ergänzenden Vorschlag der Uebersiede- Jung nach den Ländern Vorderasiens, nach den Gegenden, die heute die Türkei und die englischen Kolonien umfassen. Dieser Vorschlag ist natürlich nicht meine Erfindung, sondern schon viel älter. Er hat jedoch bisher in unseren Diskussionen nur unverdient wenig Beachtung gefunden. Wer jedoch Anspruch auf den gesicherten Besitz Palästinas macht, muß einen starken Einfluß auf all die Positionen haben, von denen dieser Besitz abhängig ist. Das sind unabhängig von jeder politischen Konstellation in erster Linie die Zentren Vorderasiens, wie Konstantinopel. Kairo, Bagdad, Damaskus und Aleppo. Palästina kann selbst^ inr günstigsten Falle nur einen kleinen Bruchteil unserer Intelligenz verarbeiten. Sollen wir also, abgesehen von der eben skizzierten Bedeutung Vorderasiens für Palästina auf die wirtschaftlichen Möglichkeiten verzichten, die uns dort geboten werden? Paläsfma soll selbstredend immer das Zentrum unserer Arbeit bleiben. Was .machen wir aber, wenn uns! dort aus irgend einem Grunde die Arbeit zeitweilig unmöglich ist? Jedenfalls schaffen wir uns dadurch, daß wir Leute nach Damaskus, Kairo usw. bringet*, Zwischenglieder, die uns eine erfolgreiche Arbeit in Palästina sichern. Wie sich nach dem Weltkriege die politischen Verhältnisse Palästinas gestalten werden, weiß' heute noch niemand. Eines aber ist sicher, daß Palästina auch in der Zukunft niemals einen geschlossenen politischen Begriff bilden wird. Es ist daher notwendig, unser bisheriges zu enges Palästinaprogramm zu einem großzügigen vorderasiatischen Programm zu erweitern. Welche praktischen Konsequenzen sich aus meinem Vorschlage ergeben, ist ohne weiteres klar. Wählt Berufe, die Euch eine Uebersiedelung nach dem vorderen Orient ermöglichen. Werdet Landwirte, Kaufleute, Techniker, Bankbeamte, Lehrer, Aerzte und zu einem kleinen Teile auch Juristen. Lockert, soweit ihr Euch hier nicht wohl fühlt, Eure Existenzen. Ich habe meine Worte damit eingeleitet, daß ich nicht reden sondern "handeln will. Ich gedenke für meine Person unmittelbar nach dem Kriege nach meinem Rezept zu verfahren und. werde mich freuen, wenn ich möglichst vielen von Euch bei demgleichen Bestreben werde behilflich sein können. Blumenfeld: Als Lichtheim vorhin die Schwierigkeiten der Itebersiedelung nach Palästina schilderte, fand er reichlich Beifall. Einige mögen ihrer Freude Atisdruck gegeben haben, daß endlich jemand mit nüchterner Klarheit Trugbilder zerstörte, zahlreiche haben — wie ich genau beobachtet habe, ihm freudig mit strahlenden Gesichtern zugejubelt. Ein Gefühl der Erleichterung und Genugtuung machte sich Luft; sie fühlten •sich von einer längst als lästig empfundenen Pflicht befreit. Ich hätte in unserem' Kreis erwartet, daßdie von Lichtheim Ueberzeugten traurig über die Zerstörung einer nahen Hoffnung gewesen wären.