Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Der Jüdische Student verschiedenen Bedürfnissen muß. entsprochen werden, dazu rechne ich Spezlälkorporationen wie Ruder-V. J. St. Turn- und Sport V. J. St. und, wenn das Bedürfnis dafür vorhanden ist, Blau-Weiß V.J. St.- Nur so kann das Problem! der Außeharbeit zeitlich und räumlich ohne Konflikte gelöst werden. Ich erwarte vom' künftigen Präsidium, daß. es Bestrebungen in dieser Richtung, die kommen sollten, falls etwa eine Turn-V. J. St. oder ähnliches entstehen sollte, verständnisvoll fördert und nicht nur gegen sie diskutiert, wie mit dem' Ruder-V. J. St., und ihnen glicht bei allerhand Gelegenheiten Knüppel zwischen die Beine wirft. leih glaube in dieser Beziehung, daßsich eine Besserung im Kartell anbahnt. Den berechtigten individuellen Bedürfnissen muß in den geeigneten, disziplinierten Formen nachgegeben und damit gleichzeitig das Problem der dringend notwendigen Außenarbeit gelöst werden, Joseph Loewy: Liebe Bundesbrüder! Ich gehöre nicht zu denjenigen, die die Stelle ihrer Tätigkeit -auf der Rednertribüne suchen; sondern ziehe es vor, praktische Arbeit zu leisten. Ich spreche zu denjenigen, die den Entschluß gefaßt haben, nach Palästina zu gehen. Diese Frage ist hier mit großer Unklarheit und mangelnden Vollendung angeschnitten worden. Pelz hat dieser Empfindung bereits Ausdruck gegeben. Ich will versuchen, die Grenzen der praktischen Arbeit, die durch die Ausführungen Lichtheims stark eingeschränkt worden sind, zu erweitern. Ich möchte mich jedoch zuerst gegen Wunderlich wenden. Seine Ausführungen über die Gegensätze der Ost- und Westjuden scheinen mir ziemlich verfehlt. Ich glaube nämlich, daß. Wunderlich seine Beurteilung der Dinge einseitigen Informationen verdankt, die ihm; Un schiefes Bild gegeben haben. Ich brauche dem nur zu entgegnen, daß ich die entgegengesetzten praktischen Erfahrungen gemacht habe. Wir Westjuden dürfen an die praktische JArbeit in Palästina) nicjht mit dem Hochmut herangehen, daßi wir drüben die Aufgabe haben, die Führer und Organisatoren der Arbeit zu stellen. Das war schon vor dem Kriege verfehlt und wird nach dem Kriege noch; viel verfehlter sein. Mit einer solchen Meinung müssen wir überall anstecken. Die Ostjuden brauchen keine Führer, sie besitzen selbst genug Intelligenzen. Sollte aber der eine oder andere von uns überragende Führerb lente besitzen, so wird sich das dort schon herausstellen. Ich möchte nun auf den Eindruck eingehen, den die Lichtheimscherc Ausführungen auf den mangelhaft informierten Hörer machen mußten. Ich habe eine Art Katzenjammer nach seinen Ausführungen empfunden. Nach Lichtheim kommen für eine Uebersiedelung in absehbarer Zeit nur diejenigen in Betracht, die als Farmer, Züchter usw. hinübergehen können, und von diesen auch nur diejenigen, die über die nötigen Geldmittel verfugen, f Sollen wir aber alle andern von der praktischen Arbeit der nächsten Zeit ausschließen, dann hält das, was1 wir in unserer Agitation als Lebensideal hinzustellen pflegen, einer praktischen "Prüfung nicht stand, es muß versagen, und wir haben nicht mehr das! Recht, dieses Ziel als Lebensideal hinzustellen. Was wird aber dann mit den anderen Leuten, die diesen Bedingungen nicht entsprechen, die sich z. B. den unglückliche»