Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 29 Gemeinschaft mit jüdischen Genossen, treiben kann. Dazu kommt, daß der Blau-Weiß vom Kriege verhältnismäßigwenig betroffen woraen ist. Wenn er also Erfolg gehabt hat, so ist das nicht als eine ganz besondere Leistung einzuschätzen. Der Blau-Weiß ist aber nicht die einzige Jugendbewegung, zu der wijr Stellung) zu nehmen haben. Wir dürfen diesen Kartelrtag ii!cht vorüber gehen lassen wie den vorigen, ohne darauf hinzuweisen, daß das K. J. V. die Pflicht hat, sich um die Turnersichaft zu kuttHmen% ihre Bedeutung bedarf keiner Erörterung, auch für die Verknüpfung mit Palästina. Der. Gedanke der Palästina-Wanderungen ist in der Turnerschaft entstanden. Die sportliche Bewegung wird nach dem- Kriege stark zunehmen. Warum fassen wir den Zionismus immer als1 rein geistige Bewegung auf? Wir sind doch eine nationale Bewegung und müssen soviel Bedürfnisse als möglich in nationalen Formen befriedigen. Alle Völker in der Welt fördern für die Jugend in erster Linie die Pflege des Körpers, so z. B. in der polnischen Bewegung, in Amerika, England, Schweden usw. im K. J. V. hat man sich von der Turnerschaft seit den ersten Jahren leider abgewendet. Es kam eine neue Anschauung auf, die dahin ging, daß der Student nur sich und seiner Korporation leben dürfe. Das zeitigte Früchte selbstverherrlichender Beschaulichkeit, anstatt nach außen zu arbeiten und zu streben, nach außenhin Macht und Einfluß durch Mehrung unserer Mittel zu gewinnen und die erhaltbaren Elemente des deutschen Judentums mit unseren Anschauungen zu durchsetzen. So haben die alten hknen den Anschluß verloren, weil man sie seiner Zeit nicht gelehrt hat, Freude am Heranziehen anderer zu empfinden. Daher sind unsere Bemühungen immer nur auf die paar Keilfüxe gerichtet. Ich glaube, daß es damit anders werden muß. Wir brauchen keine exklusiven Corps, sondern Burschenschafter, die zum Volke gehen und es führen. Unsere Jungen müssen wiT~!e1ff^nr"wie*''man auf Außenstehende Einfluß gewinnen kann. Ich begrüße es, daß die blau-weißen K. J. V.er in diese Mauern Bresche gelegt haben. Sie sind zuerst hinausgegangen in die Jugend des Volkes! und haben aus dem K. J. V. herausgearbeitet. Liebe Bundesbrüder! Ich betrachte das K. J. V. als das Zentralnervensystem des deutschen Judentums. Als wir in Berlin im Ausschuß von den verschiedenen Jugendvereinen zusammenkamen, waren die Führer der grösseren Vereine überall K. J. V.er. Es dürfen aber nicht nur einzelne aJs Leiter draußen arbeiten, sondern jeder K. J. V.er und jede Korporation muß hinausgehen, um mit der jüdischen Jugend und dem jüdischen Leben Fühlung zu nehmen. Das erreicht man nicht durch Einkapselung, wie es Hirsch sehr richtig bezeichnet. Der Sport befriedigt ein vorhandenes Bedürfnis des modernen Mensehen, und dieses Bedürfnis miüssen wir eben in jüdischen Formen, für die jüdische Jugend befriedigen. Ich glaube, daßwir auf diesem Wege dahin konimen werden, die einzelnen Korporajj^nen je nachdem in der einzelnen Korporation mehr das eine oder das andere Arbeitsgebiet betont wird. Die Teilung nach Traditonen^ die in 5—10 Jahren doch verschwunden sind, entbehrt der inneren Berechtigung. Den