Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Der Jüdische Student enttäuscht und ernüchtert, sondern bestärkt in ihrem Zionismus hinausgegangen. Wenn wir auch heute keine Aussicht haben, nach Palästina zu gehen, die Sehnsucht danach "muE gepflegt werden wie bisher, die. Hoffnung und die SWnsucTü, daß jeder " von uns es* vielleicht doch erleben wird. Die Auffassung, daß> jeder ja kein Sterblicher ist, sondern seine Fortsetzung in seinen Kindern findet, so daß er für steine Kinder hofft und (arbeitet/ diese Hoffnung muß bestärkt, unfl die darf nicht irgendwie Vermindert werden. Diese Dinge müssen für die Debatte künftig feststehen, so daß sie aus der Debatte verschwinden und selbstverständlich werden. Es muß jeder das Gefühl haben, daß an diese Dinge nicht gerührt werden darf. So würden viele Blau-Weiße viel weniger ängstlich sein, iwenn sie darüber sicher sein dürften, daß an diesem Palästina-Ideal nicht gerüttelt werden kann. — Ich weiß nicht, ob heute über Präsidialeinrichtungen gesprochen, .werden kann; ich halte die Erweiterung des Präsidiums für sehr glücklich, und sie wird dazu beitragen, den verwirrten Gang des Karteiis wieder ruhig zu gestalten und daß Maß von Vertrauen zum Kartell zu heben. In diesem Vorschlage sind folgende zwei Dinge genau zu erkennen. Wenn unser Präsidium;mit viel Macht ausgerüstet wird, so hoffen wir, daß das Präsidium zu einer viel mehr führenden Körperschaft wird als bisher. Das Präsidium läßt es zur Zeit an Führerschaft mangeln; so hat es1 feilte kein Gefühl für Vorschläge anderer gehabt. Ich möchte noch den kleinen sachlichen Vorschlag machen, daß! die Präsentation nicht auf dem Kartelltag zu geschehen hat, es kann sonst dahin kommen, daß eine Klique von Namen auf der Liste dominiert. Nun noch etwas zum Schluß, was auch zur Generaldebatte gehört. Es betrifft das den neuen Namen der Zeitschrift. Ich kann dem Vorschlage des Präsidiums nicht beistimmen, der Name „jüdischer WÜie" erscheint mir zu lächerlich und zum Spott herausfordernd. Meine Frau hat ganz richtig gesagt, dieser Vorschlag habe eigentlich nur jüdischen Unwillen hervorgerufen. Ich kann nicht erkennen, warum wir die Zeitschrift nicht weiter „jüdischer Student" nennen wollen oder, wie jemand gesagt hat, man müsse ihr dann den Untertitel „Zeitschrift für die reifere akademische Jugend" geben Es sind das gewisse Forderungen einer Jugend, die für Korporationen kein Verständnis hat. „Jüdisch" — dagegen wird wohl keiner etwas haben; was aber hat man gegen „Student"? Ich glaube, es ist viel einfacher, den Namen zu lassen, den wir doch alle kennen, weil er auch einem großen Teil des Kartells lieb geworden ist und das außerordentlich gut ausdrückt, was wir sind: jüdische Studenten. Jedenfalls iwürde ich den Namen „Jüdischer Wille" für außerordentlich unglücklich halten. Exiner: Es liegt mir fern, gegen den Blau-Weiß zu sprechen, denn Ich schätze den Erfolg, wo ich ihn finde, und der Blau-Weiß hat ihn; üm Augenblick für sich. Dieser Erfolg erklärt sich nicht aus den komplizierten Begriindungen, die hier vorgebracht worden sind. Das Wandern ist eine sehr schöne Sache für die Jugend und noch schöner, wenn man es in