Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 27 Examen bestehen und dadurch nachweisen, daß> sie die Summe der Kenntnisse bereits besitzen, sollen von den Fuxenstunden für .den Wissens* Unterricht befreit sein, nicht aber von dem Tendenzunterricht. Ferner miuß künftig die Arbeit im Blau-Weiß ebenso bewertet werden, wie die in der Korporation. Bisher galt nur derjenige als wertvoll und als tüchtiger Arbeiter, der innerhalb seiner Korporation gearbeitet hat. Wenn wir aber nach der Richtung den blau-weißen Führern mehr Freiheit lassen, müssen wir um so mehr von ihnen verlangen, daßi sie sich tomer in 'erstefr Linie als K. J. V.-er fühlen. Ich möchte auch einiges zu der heute morgen angeschnittenen Palästinafrage sagen. Auch da mußi endlich ein gewisser Abschluß des Streitesj gemacht werden. Der sog. Palästinensismus, die persönliche Verbundenheit jedes einzelnen mit Palästina muß, als' die selbstverständKdi ^anerkannte „Richtung" des K. J. V., endlich, erledigt sein. Wenn ich an die Antithese vom Maximal- und Minimalprograimm' denken darf, so darf es_ für_. (Jen K. J. V.-er nur ein Maximalerogxamm geben. Eine GemeFnschaft, deren leMe^"* Erziehungsziel die Persönlichkeit ist, die sich für das Ganze auf- und hingibt, kann sich allein mit dieser Richtung im Zionismus identifizieren, die eine ganze und wirkliche Hingabe jedes einzelnen an. das Endziel fordert. Man soll endlich aufhören, diese Richtung „Radikalismus" zu titulieren. Es handelt sich um Auffassungen des Zionismus, die beim außerdeutschen Zionismus längst Unbestritten sind und die bei uns in Deutschland nicht „zufällig" zur Herrschaft gelangt sind, sondern die die absolut herrschende Richtung der Gesamtorganisation darstellen. Das muß endlich auch bei uns sicher und klar werden. Man bekämpft jetzt die Richtung, die einem in Wahrheit nicht paßt, dadurch, daß man ihre Methoden als unmöglich und lächerlich beweist. Ich hätte deswegen heute morgen auch bei den Ausführungen Lichtheims manches! anders gewünscht. Der Beifall, den er fand., galt nicht nur seiner ja unbestreitbaren und längst bekannten sachlichen Kritik, sondern der herausgehörten Absägung der palästinensischen Richtung überhaupt. Und deshalb wäre es gut gewesen, wenn Lichtheim ausdrücklich betont hätte, daß, er den Geist, die Auffassung des Zionismlus, aus de;mi die Jugend diese idealen und deswegen zum großen Teil unwirkli3Ren'~Förderuugenaufgestellt hat, an sich ^HLjäUl^b^^i^tig halte. Dann wäre der Beifall für seine Worte noch viel stärker gewesen, auch wenn er zur Vorsicht gemahnt hätte. Esgenügt meines Erachtens nicht, nur kritisch zu sagen, daß die Aussichten für K. J. V.-er unter den gegenwärtigen Bedingungen in Palästina sehr schlecht sind. Es ist eben Aufgabe auch des Kartells, dann andere Formen zu suchen, die dieser sehr realen Sehnsucht einen Wirklichkeitsboden geben. Man muß darüber nachdenken, ob es denn nicht andere Formen gibt. Bekannt ist der Versuch einer K. J. V.-er-Achusah, den Löwenstein erwähnt hat, auf den zuerst gleichzeitig ich in Königsberg und Fischer in Berlin hingewiesen haben, und deren Entwürfe der Prüfung unterliegen. Dlann wäre das Vertrauen noch fester, sicherer und stärker geworden, und es wäre ein großer Teil der jungen Leute, die hierher gekommen sind, nicht