Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1917-11-01 · Heft 6-9 (November 1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
Heft 6-9 (November 1917)
Date
1917-11-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537721-3537728--4142-3541887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jüdische Student 25 bereits in einer starken Gemeinschaft steht. Für uns ist es» also notwendig, uns auf diese Eigenartigkeit des1 Keilmaterials einzustellen. Das ist das ganze Problem, das aber unsere Angelegenheit ist, nicht die des Blau-Weiß. Es hat sich aber heute schon die wichtige Tatsache gezeigt, daß der Blau-Weiß durchaus noch nichts Einheitliches darstellt, so daß wir nicht wissen, welches' denn seine obsiegende Richtung sein wird. Wir wollen zur Klarheit darüber kommen, welche von den verschiedenen Richtungen die Zukunft haben wird, und welche wir von unserem K. J. V.¬ Standpunkt aus ablehnen müssen. Die Ausführungen von Moses halte ich charakteristisch für eine bedeutende Richtung. Wenn auch Calvaty und andere von ihr erfreulicherweise abrücken, bleibt sie doch existent; es beweist nur, daß Calvary dann eben eine andere "Richtung vertritt. Esi handelt sich darum, daß diese Blau-Weißen glauben, daß ein geistiger Gegensatz bestehe zwischen K. J. V. und Blau-Weiß. Sie sagen, der Blau-Weiß habe einen neuen jüdischen Typus gebildet, und dieser sei dem K.J.,V.¬ Typus scharf entgegengesetzt, nicht nur in den äußeren Formen, sondern in der inneren geistigen Struktur. Moses hat diese Richtung dahin charakterisiert, daß der Blau-Weiß, durch Erziehung wirken will und wir durch Verschärfung der. Forderiu^^ schon einen neuen jüdischen Menschentypus geschaffen haben, is{ natürlich Unsinn; es lohnt sich nicht, darauf einzugehen. Aus der Literatur und aus Diskussionen habe ich den Eindruck gewonnen, daß sie einen Persönlichkeitstypus meinen; sie meinen, daß bei ihnen das nationalsittlicheTrTanBeln des einzelnen, seine Hingabe an die Gemeinschaft bestimmt wird durch das persönliche Erlebnis, während; bei uns das unpersönliche oder überpersönliche Gesetz der Gemeinschaft' (die „Forderung" des Handelns) die Persönlichkeit bestimmt. Der Blau- Weiße dieser Richtung empfindet die „Forderung" als Zwang; ihm sagt allein sein inneres Erleben, was er tun soll, und er ist überzeugt, auf diese Weise genau so hingebungsvolle Menschen für die (Aufgaben des Volkes herzustellen. Nach meinen Erfahrungen hat dieser Individualismus, den wir ja längst überwunden haben, im Blau-Weiß zu der Ausartung eines fanatischen Subjektivismus geführt. Dieser Richtung steht allerdings unser K. j. V.-Typus diametral entgegen. Wir haben uns' dieses Ideal von Männlichkeitstypus in langer, innerlichster Entwickelung erworben; wir haben unsere Formen und insbesondere die korporative Verfassung- «nit seinem Geiste erfühlt und belebt. Dies Ideal steht klar und einfach gegenüber der Unklarheit und Verworrenheit der Richtungen im Blau-Weiß. Und erste Selbstverständlichkeit ist, daß dieses Ideal, dieser „K. J. V.-er- Typus", dessen Schmelztiegel die korporative Verfassung geworden ist, unverändert als lebendigste Tradition bewahrt und fortgeführt werden muß. Gewisse Blau-Weiß-Kreise gehen sogar so weit, zu fordern, daß sich das K. J. V. dem neuen Blau-Weißi-Typ anpassen müsse. Ich habe leider alte K. J. V.-er kennen gelernt, die eine solche Forderung für nicht sehr schlimm erklärten. Das ist natürlich Unsinn. Aber auch nicht einmal eine Gegensätzlichkeit zwischen Blau-Weiß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.