Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22; Der Jüdische Student Den Bundesbrüdern ist es in Palästina so schlecht gegangen, weil wir mit den Ostjüden heut noch nicht zusammenleben können, sie stehen1 auf einer anderen Plattform (Zuruf: Das ist ja nicht wahr!) Es ist doch wahr! Ich kenne Bundesbrüder, die .dort waren, zu genau, sie sind an ihrer westlichen Erziehung gescheitert. Sie konnten mit den Juden dort nicht auskommen. Der Spalt ist nun einmal vorhanden, den können wir nicht durch einen Federstrich gut machen. Das Assimilieren an die Ostjuden wird uns als Gesamtheit nicht gelingen. Der Einzelne wird vielleicht Anschluß! finden können an das, was im Osten jetzt neu entsteht. Wir werden uns natürlich entscheiden müssen für das hebräische Palästina, aber Anschluß finden kann erst die nächste Generation. Was wir hier in Deutschland tun können, ist, in möglichst straffer Organisation diesem Ziele zuzustreben. .. Noch eines liegt mir am Herzen: jede unserer Verbindungen soll bei aller Gleichartigkeit der Auffassung von jüdischen Dangen im Kartell möglichst ihr Eigenleben führen. Wir wollen keine Gleichmacherei im Kartell und keine Parteiknechtschaft. Dazu ist eine viersemestrige Aktivität in einer Verbindung notwendig', sonst läßt sich das Zugehörigkeiitsgefühl gerade zu dieser einen Verbindung nicht sichern. Die Bundesbrüdeilichkeit der Tausend aber ist eine Unmöglichkeit. Zum nächsten Kartelltaig soll das Präsidium einen Lehrgang . für unsere Füxe vorlegen und ein genaues Semesterprogramm für Berlin wie für unsere Provinzverbindungen. Fritz Löwenstein: Liebe Bundesbrüder! Ich bin sehr weit von der Meinung Wunderlichs entfernt, daß wir uns nicht uni den Blau- Weiß kümmern sollten. Aber es ist richtig, daß die Formulierung der Frage verkehrt ist. Die ablehnende Haltung mancher Bundesbrüder rührt daher* daß sie den Eindruck ijaben, die Frage unserer Lebensformen sei keine Frage des K. J. V., sondern sei von außen her von den Blauv/eißen hineingetragen worden. Die Blau-Weißen haben die Frage im besten Falle noch mehr hervorgehoben. Wir haben vor 5 bis 6 jalirfcn genau dieselbe Frage erörtert, allerdings mit negativem Erfolg, diesmal geschieht es hoffentlich mit positivem. Falsch; ist es jedenfalls, zu glauben, daß der Blau-Weiß diese Frage zuerst angeregt habe. Die Grundlage unserer Arbeit wie der des Blau-Weiß ist, daß unser jüdisches Erziehiings^ ziel in der Form der Lebensgemeinschaft gepflegt wird. Es ist hierzu gesagt worden, daß sich Blau-Weiß und K. J. V. durch den Unterschied zwischen rndividualerziehung und Erziehung in der Korporation unterscheiden. Beide Extreme sehen wir in der Familie und in der Schule. Die Erziehung im K. J. V. und im Blau-Weiß aber beruht auf einer dritten Form der Erziehung in der Gemeinschaft, wo der Führer alle erzieht, aber auch die Gemeinschaft jedes einzelne Mitglied, Es handelt sich um eine Gemeinschaft von Menschen, die nicht nur ein Vereinsprogranim erledigen und dann auseinandergehen, sondern die Freud und Leid teilen und: sich in jeder Beziehung als zugehörig empfinden. Man hat im K. J. V. genau