Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- Heft 6-9 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student banden ist, und daß* viele imstande sind, auf Grund ihres Berufes dort hin» überzugehen. Ich möchte eines hervorheben, daßi diejenigen, die einen Beruf haben wie Nationalökonomen, Techniker, Gärtner, der sich zum Hinübergehen eignet, sichsammeln, da Leonhard Peritz sich erboten hat, behilflich zu sein, damit sie sich dort eine eigene ßebensstellung gründen können. Ich sehe das, was der Aufruf seiner Zeit sagen wollte, darin: wir wollen unser Leben wie in den Schützengräben in Flandern dann von neuem aufmachen, weil wir ja von vorne anfangen müssen und nun gelernt haben, tuns einer Idee unterzuordnen. Man kann furchtbar viel, ja, man kann alles entbehren. Wer noch heute in diesem Sinne will, daß die idealen Forderungen, die er einmal gefaßt hat, praktisch in die Tat umgesetzt werden, der wende sich an Peritz oder an das Palästinaressort, von dem ich allerdings noch wenig gehört habe. Wunderlich: Auch ich bin seit drei Jahren den Kartellfragen fremd geblieben, glaube aber, daß jeder von uns immer das K. J. V. als Erziehungsinstitut aufgefaßt hat. Unsere Entwicklung muß zum ethisch vollendeten Juden gehen, und auf diesem Wege bleibt uns noch viel zu toin übrig. Wir sprechen hier über Erziehungsprobleme des K. J. V. und nicht des Blau- Weiß. Der Blau-Weiß muß sich um uns kümmern, nicht umgekehrt. Von Hirngespinsten und übertriebenen idealen Forderungen, wie sie hier vorgetragen wurden, müssen wir abrücken. Unsere Jungen sind fast alle gezwungen, später einmal Geld zu verdienen und mit unsere größte Aufgabe ist es, diese Tatsache in Einklang zu bringen mit dem, wasi wir erreichen wollen. Unser Ziel ist unverrückt: nach Palästina gehen. Für unsere jetzige Generation ist und bleibt das aber aller Voraussicht nach unmöglich. Wir müssen aber die Bedingungen schaffen, daß die nächste Generation nach Palästina gehen kann. Dies kann nicht durch ein Herabdrücken auf ein proletarisches Niveau geschehen, hier ist aller Idealismus verfehlt. Was bleibt uns also zu tun? Das bißchen Hebräisch wird nicht sehr weit führen. Das Wichtigste ist immer, daß wir den un-> ständigen innerlich vornehmen Menschen erziehen, der geht dann von selbst unsern Weg. Aber daran, man wird mir vielleicht widersprechen, fehlt es noch immer. Das Wichtigste ist der anständige Mensch und nicht der politisch-jüdisch infizierte, der dadurch gewöhnlich sehr übel infiziert ist. In diesem Sinne wollen wir unsere Korporationen lenken und unseres guten alten Programms eingedenk sein, daß. wir auch die Pflicht haben, unsere Jungens äußerlich gut zu erziehen. — Ich kann mir nicht helfen, wenn ich die weichlichen Gesichter der Blau-Weiß-Vertreter hier sehe, muß ich mir vorstellen, daß sie nach 25 Jahren ihren Idealismus an den Nagel gehängt haben und als jüdische Rechtsanwälte und Sanitäts* rate mit dicken Bäuchen herumlaufen. (Unruhe.) In der wilden Form, wie die Blau-Weißen sich das vorstellen, läßt sich kein Verbindungsleben durchführen. Seit Jahrhunderten weiß die Menschheit, daß nur Disziplin eine Gesellschaft gedeihen laßt und gerade wir Juden müssen unser altes Erbübel, den Mangel an Disziplin, bekämpfen.